ÄHNLICHKEITEN II.

DIE KRIEGE

 

Viele Kriegsgeschichten im Buch Mormon enthalten taktische Strategien und Beschreibungen der Schlachten, die mit Spauldings Kriegserzählungen fast identisch sind. Im Spaulding-Bericht wurde der Krieg geführt, um das „Unrecht an ihren Ländern“ zu „rächen“ (Manuscript Story, S. 79, 83). Im Buch Mormon „wurde der Krieg geführt, um das Unrecht zu rächen“, das durch ihre Feinde verursacht wurde (Alma 54:24; 61:6). Krieger starben bei beiden „für die Sache ihres Landes und ihres Gottes“ (Manuscript Story, S. 79, vgl. Alma 56:11). Beide Berichte entwickeln das Thema von einer kleinen Bande junger, wagemutiger „Krieger“, die „ihre Söhne“ genannt wurden und die bei der Verteidigung ihres Landes „entschlossen waren zu siegen oder zu sterben“ (Manuscript Story, S. 91, vgl. Alma 56:17). Die Begriffe, die verwendet wurden, um diese [sehr große „kleine Bande“] junger Krieger zu beschreiben, sind in beiden Werken ähnlich. In Spaulding werden sie als eine „erwählte Kriegerbande“, „meine tapferen Krieger“, „meine tapferen Söhne“, „junge Helden“, eine „Bande von ungefähr dreitausend entschlossenen Kriegern“, eine „kleine Bande tapferer Bürger“ und als eine „kleine Bande verzweifelter Helden“ beschrieben (Manuscript Story, S. 89, 90, 98, 100, 108). Im Buch Mormon werden sie als „zweitausend junge Krieger“, „meine zweitausend Söhne“, „zweitausend junge Männer“, „meine kleine Armee“, „meine kleine Bande von zweitausend“, „junge Männer, tapfer und mutig“ und „meine kleine Bande, die höchst verzweifelt kämpfte“, beschrieben (Buch Mormon: Alma, Kapitel 53 Überschrift [nicht in der 1830er-Ausgabe]; Alma 56: 9, 10, 33; 57:6; 53:20; 57:19).

In beiden Geschichten wurden nächtliche Strategien entwickelt und besondere Bedeutung verliehen. Jede erzählt von Wachen der Feinde, die überrascht wurden, während sie „tief schliefen“ [oder in einer tiefen Stille schliefen] (Manuscript Story, S. 98; vgl. Mosiah 24:19; Alma 55:16-17).

Im Spaulding-Bericht wurden die Überreste der Toten vor „den gefräßigen Kiefern der fleischfressenden Tiere“ in Sicherheit gebracht, indem „sie ungefähr drei Fuß tief in den Boden gruben... dort hinein legten sie die Körper... und dann legten sie andere auf sie, bis alle hineingelegt waren, und warfen dann Erde auf sie und errichteten darüber einen hohen Grabhügel“ (Manuscript Story, S. 95). Eine ähnliche Beschreibung findet man in der Buch-Mormon-Geschichte über Zoram. Sie lautet: „...an einem Tage stand sie (die Stadt) verwüstet da; ...wilde Tiere zerfetzten die Leichname... Doch nach vielen Tagen häufte man die toten Körper auf der Erde auf und bedeckte sie mit einer dünnen Erdschicht“ (Alma 16:10,11). [Das Aufhäufen der Toten auf dem Schlachtfeld entspricht Spauldings „Haufen“ von Schlachtfeldtoten (Manuscript Story, S. 100).]

 

 

Der Helaman-Krieg

 

In der Schlacht um die Stadt Gamba in Spauldings Novelle „ergriff eine Bande von ungefähr dreitausend entschlossenen Kriegern ihre Waffen, entschlossen, ihr Leben bei der Verteidigung der Stadt zu riskieren. Der Anführer dieser Bande war Lamock, der älteste Sohn Labancos“ (Manuscript Story, S. 100).

Im Helaman-Krieg des Buches Mormon „hat eine Bande von zweitausend“ jungen Kriegern „ihre Waffen des Krieges ergriffen und wollte, dass ich (Helaman, der älteste Sohn Almas) ihr Anführer sein sollte, und sie ist hervorgetreten, um unser Land zu verteidigen“ (Alma 57:6, 56:5).

In der Spaulding-Geschichte „ließ Rambock seine gesamte Armee der Stadt Gamba entgegen marschieren... um durch jene Passage in die Stadt einzutreten und in den Rücken der Kentucker zu fallen... Für diese Helden wütete nun der Krieg von vorn und im Rücken...“ (Manuscript Story, S. 100-101).

Im Buch Mormonmarschierte Helaman an der Spitze dieser zweitausend jungen Männer zur Stadt Judea... wir wollten ihnen daher in den Rücken fallen, wenn sie an uns vorbeikämen, und ihnen somit dort zu derselben Zeit zusetzen, zu der sie von vorn angegriffen würden“ (Alma 56:9, 23).

Die Krieger Spauldings verzögerten ihren Angriff bis zum Morgen, um zu verhindern, dass der Feind in der „Dunkelheit der Nacht...“ entrinnt, „und sobald das Morgenlicht erschien, marschierten sie eine kurze Strecke zu einem Hügel... sie erblickten Hamboons Armee, wie sie auf sie zu marschierte. Er hielt ungefähr innerhalb einer Meile von den Sciotanern entfernt an... befahl (dann) Hanock... in ihrem Rücken im Hinterhalt zu liegen“ (Manuscript Story, S. 102-103).

Im Buch Mormon marschierte Helamans Armee bei Nacht, aber „als das Morgenlicht hereinbrach, sahen wir die Lamaniten über uns herfallen und wir flohen vor ihnen... sie verfolgten uns nicht weit, bevor sie anhielten... damit sie uns in ihrer Schlinge fangen könnten“ (Alma 56:41-43).

 

 

Schlacht am Hügel Riplah

 

Die Schilderung von der Schlacht am Hügel Riplah zwischen den Nephiten und den Lamaniten im Buch Mormon ist der von einer Schlacht zwischen den Sciotanern und den Kentuckern in der Manuscript Story sehr ähnlich.

Indem sie eine kleine Strategie anwendeten, marschierten“ Spauldings Sciotaner „den Fluss hinunter an eine bestimmte Stelle, wo der Feind vorbeikommen müsste... Von dieser Stelle aus kam der Hügel... innerhalb weniger als eine Meile vom Fluss entfernt“. Die Sciotaner teilten ihre Streitkräfte auf und versteckten sich im Hinterhalt, während der Feind den Kanal überquerte. Weil er mit dem in die Falle gegangenen Feind Mitleid hatte, bat“ Lobaska „die Sciotaner inständig, keinen Tropfen Blut zu vergießen“ (Manuscript Story, S. 37-39).

Der Moroni des Buches Mormon [unternahm dieselbe Verteidigung] „durch Strategie“. Nachdem er bemerkte, welchen Weg der Feind einschlagen würde, teilte er seine Armee auf, versteckte sie bei einem Hügel, und überfiel die Lamaniten aus dem Hinterhalt, während sie den Fluss überquerten. Nach der Unterwerfung der Lamaniten sagte Moroni: „Wir begehren nicht, Männer des Blutes zu sein... wir begehren nicht euch zu erschlagen“ (Alma 43:30-36; 44:1).

In beiden Geschichten ist die verlierende Armee doppelt so stark wie die gewinnende, aber die Krieger sind durch den Hinterhalt so sehr „erschrocken“, dass sie ihre Waffen „niederwarfen“ und sich ergaben. Danach hat der verlierende Kommandeur ein persönliches Gespräch mit dem Kommandeur der Gegner, und bittet ihn, „ihr Leben zu verschonen“, wonach ein Friedensvertrag geschlossen wird und die besiegten Krieger in ihr eigenes Land zurückkehren (Manuscript Story, S. 38-39; vgl. Alma 43:51, 44:15, 19). Die Krieger der widerstreitenden Nationen waren verwandt, die Nachkommen derselben Familie, und sie nannten sich „Brüder“.

 

 

Die Briefe

 

In der Spaulding-Geschichte wurden eine Reihe von Briefen zwischen Hamboon, dem Kaiser von Kentuck, und Rambock, dem Kaiser von Sciota, über ein Vergehen ausgetauscht, das vom Prinzen von Kentuck verübt worden war. Das Vergehen des Prinzen „beleidigte aufs Gröbste die Autorität ihrer Regierung und die Rechte ihres Reiches“ (Manuscript Story, S. 71). Im Buch Mormon wurden „Sendschreiben“ zwischen Ammoron, dem Lamanitenkönig, und Moroni, dem nephitischen Propheten und Kommandeur ausgetauscht. Ihre Korrespondenz betraf „ihre Rechte auf Regierung“ (Alma 54:24). Die Briefe sind in beiden Texten an ungefähr derselben Stelle im Geschichtsverlauf platziert.

Im Spaulding-Text „fabriziert“ ein sciotanischer Kommandeur „Geschichten, die Vorurteile und Verstimmungen“ unter seinem Volk „erwecken sollen“, um sie zum Krieg mit den Kentuckern anzustacheln (Manuscript Story, S. 74). Der Lamanitenkönig Ammoron benutzt denselben „Betrug“, um sein Volk aufzubringen, damit, sie Krieg gegen die Nephiten führen. Ammoron erzählte seinem Volk, dass ihre Väter „ihres Rechtes auf die Regierung beraubt“ worden wären (Alma 54:17; 55:1). In beiden Geschichten wurde gesagt, dass Gott auf der Seite der Verteidiger gewesen ist, und in dem Briefwechsel wurden beide Kommandeure „wütend“ und drohten mit Krieg (Manuscript Story, S. 76, 74; vgl. Alma 54:9-10, 13).

Die Kriege, die folgten, wurden in beiden Geschichten ausgefochten, um „das Unrecht zu rächen“, das von der Widersachernation begangen worden wäre. Beide waren „entschlossen zu siegen oder zu sterben... für die Sache ihres Landes und ihres Gottes“ (Manuscript Story, S. 79, 86; vgl. Alma 54:24, 56:17, 11)

 

 

Die letzte große Schlacht

 

In Spauldings [vorletzter] „großer Schlacht von Geheno...“ kämpften „fast dreihunderttausend“ Krieger in der Schlacht. „Viele tapfere Häuptlinge, die unter ihren jeweiligen Königen kommandierten, wurden besiegt“. Die verlierende Armee zog sich zurück, bis die Krieger an einen „Hügel“ kamen und dort lagerten, „wo sie den Vorteil über den Boden hatten“ (Manuscript Story, S. 90-91, 94).

Im Buch Mormon wurden in „der großen und schrecklichen Schlacht bei Cumorah“ mehr als zweihundertunddreißigtausend Krieger zusammen mit ihren „Häuptlingen“ getötet. Ihre Armeen hatten sich von Stadt zu Stadt zurückgezogen, bis sie schließlich ihre Zelte am „Hügel Cumorah“ aufschlugen, wo sie „hofften, einen Vorteil über die Lamaniten zu gewinnen“ (Mormon 6:4, 11-15; 8:2).

Im Bericht der Manuscript Story sandten die Sciotaner dem König der Kentucker einen Brief, der ihn informierte, dass der Krieg erklärt worden wäre und dass die Sciotaner „alle Einwohner des Reiches von Kentuck“ auslöschen würden. Die Sciotaner begannen all ihre Heere der jeweiligen Königreiche zur Schlacht zu sammeln (Manuscript Story, S. 80-82). Im Buch Mormon sandte der König der Lamaniten ein „Sendschreiben“ an Mormon, dem Nephitenführer, und informierte ihn, dass sie sich vorbereiteten, zur Schlacht gegen ihn zu kommen. Mormon sammelte daraufhin seine Heere, um sich auf die Schlacht vorzubereiten (Mormon 3:4-5).

Die Heere der Sciotaner, die sich für die „große Schlacht“ sammelten, wurden von ihren jeweiligen „Häuptlingen“ angeführt. Habelon kam mit fünfzehntausend Kriegern, Ulipoon mit achtzehntausend, Numapoon mit sechzehntausend und Ramock mit zehntausend. Alle sciotanischen Heere standen unter dem Kommando von Rambock, dem „Oberkommandeur“, dessen Sohn, Moonrod, ebenfalls ein Kommandeur war (Manuscript Story, S. 81, 83, 100). Die Heere der Buch-Mormon-Nephiten, die sich zur „großen Schlacht“ sammelten, wurden von ihren jeweiligen „Häuptlingen“ angeführt: Gidgiddonah, Lamah, Gilgal, Limhah, Joneam, Camenihah, Moronihah, Antionum, Shiblom, Shem und Josh. Jeder Häuptling kam mit zehntausend Mann. All diese Heere standen unter dem Kommando von Mormon, dessen Sohn, Moroni, ebenfalls zehntausend Mann kommandierte (Mormon 6:11-14).

Unglücklicher Weise sind die Seiten 133 und 134 des originalen Spaulding-Manuskripts verschollen, aber Seite 135 beginnt mit „Habelon, der König von Chiango, war der nächste stolze Häuptling, der in Erscheinung trat“. Die Aussage lässt vermuten, dass die fehlenden Seiten die Namen anderer sciotanischer Häuptlinge enthielten, die ebenfalls Heere anführten. Seite 86 des Millennial Star-Drucks gibt die Gesamtzahl der Krieger in den sciotanischen Heeren mit einhundertfünfzigtausend an. Somit könnten dreizehn sciotanische Häuptlinge mit jeweils elftausendfünfhundert Mann an dieser „Ausrottungsschlacht“ teilgenommen haben. Diese Zahlen nähern sich der Anzahl von Heeren und Kriegern, die im Buch-Mormon-Bericht beschrieben werden. In beiden Geschichten entkamen einige der großen Schlacht, aber viele wurden gejagt und vernichtet (Manuscript Story, S. 105; vgl. Mormon 6:15).

Ulipoon, der feige sciotanische Kommandeur, desertierte aus den sciotanischen Armeen am Abend einer großen Schlacht, aber ließ sich später erweichen, übernahm kurz das Kommando und wurde „tödlich verwundet“. Nachdem er im Sterben eine traurige Erklärung über den Krieg abgegeben hatte, „sprach er und atmete nach tiefem Stöhnen nicht mehr“ (Manuscript Story, S. 104-105). Mormon, der nephitische Kommandeur, ließ ebenfalls sein Heer am Abend der großen Schlacht im Stich. Er „weigerte sich entschieden, gegen“ seine Feinde hinaufzugehen, aber später „kehrte er von dem Schwur um, den er geleistet hatte“ und übernahm wieder das Kommando seiner Heere. Mormon „fiel“ ebenfalls „(tödlich) verwundet“ und gab im Sterben eine traurige Erklärung über den Krieg ab (Mormon 3:16, 5:1, 6:16-22).

Zum Höhepunkt der Schlacht „sandte“ Hamboon, der Kommandeur der verlierenden Armee der Kentucker „einen Boten zu Rambock, der einem Waffenstillstand für die Zeit von zwei Tagen zustimmte“. Mormon, der Kommandeur der nephitischen Armee, der ebenfalls die Schlacht verlor, „schrieb einen Sendbrief an den König der Lamaniten“ und bat ihn um Zeit, um seine Leute bei Cumorah zur Schlacht zu sammeln (Manuscript Story, S. 95; vgl. Mormon 6:2)

Der Schreiber des Berichts [der Manuscript Story] beschreibt die toten Krieger als menschliche Körper „die weit verstreut“ auf dem Schlachtfeld liegen, „von Schwertern, Speeren und Pfeilen zerfleischt und mit Blut beschmiert“. Der Schreiber des nephitischen Berichts sagt: „... sie fielen mit dem Schwert und mit Pfeil und Bogen über mein Volk her... und ihr Fleisch, ihre Knochen und ihr Blut lagen auf dem Angesicht der Erde.“ Berichte berichten, dass diese Dahingeschlachteten jeden Alters und Geschlechts waren (Manuscript Story, S. 96-97; vgl. Mormon 7:9, 15) Beide Berichte sagen, dass die siegende Armee in die „Dörfer“ eindrang und die Häuser verbrannte. Beide sagen, dass diejenigen, die entkamen, gejagt und vernichtet wurden (Manuscript Story, S. 100-101; vgl. Mormon 5:5-7).

Nach der großen Schlacht sagt der Erzähler der Spaulding-Geschichte, der einen Augenzeugen der Vernichtung zitierte: „Es ist unmöglich, den Schrecken der blutigen Szene zu beschreiben... das Blut und das Blutbad so vieler tapferer Krieger.“ Der nephitische Schreiber, der ein Augenzeuge der Vernichtung war, sagt: „Und es ist für die Zunge unmöglich, die schreckliche Szene des Blutes und des Blutbads... der Nephiten und der Lamaniten... zu beschreiben“ (Manuscript Story, S. 105; vgl. Mormon 4:11).

Spaulding erzählt nun eine Geschichte eines persönlichen Zweikampfs zwischen zwei überlebenden Kommandeuren der Schlacht: „Sambal... fiel über ihn her... und mit seinem Schwert schlug er Helicons Kopf von seinem Körper ab“ (Manuscript Story, S. 109). Der Jareditenkommandeur des Buches Mormon hatte ebenfalls einen Zweikampf. Sie „kämpften wieder mit dem Schwert“ und Coriantumr „schlug Shiz den Kopf ab“ (Ether 15:29-30)

Sambal, der Sciotaner-Kommandeur, forderte dann Elseon, einen weiteren Befehlshaber, zu einem Zweikampf heraus. „Sambal, begierig nach Rache... sprang hervor... und erhob sein Schwert... aber Elseon sprang zurück und Sambals Schwert traf den Boden mit ungeheurer Kraft, so dass es in der Mitte zerbrach“. Eine Buch-Mormon-Geschichte erzählt einen ähnlichen Bericht über einen Zweikampf zwischen widerstreitenden Armee-Kommandeuren: „Zarahemna... der auf Moroni wütend war... sprang hervor, um Moroni zu erschlagen; aber als er sein Schwert erhob... schlug einer von Moronis Soldaten es zu Boden, und es brach am Heft ab“ (Manuscript Story, S. 110; vgl. Alma 44:12)

Ähnlichkeiten mit Abschnitten der Schlacht in Spauldings großer Schlacht von Geheno findet man in Buch-Mormon-Berichten in vier verschiedenen Kriegen: Zwei im Buch Alma, in der großen Schlacht von Cumorah und in der letzten Schlacht im Buch Ether.

 

 

DER LITERARISCHE STIL

 

Eine Studie über die Ähnlichkeiten zwischen Spauldings Manuscript Story und dem Buch Mormon wäre nicht vollständig, ohne den Schreibstil in den beiden Werken zu vergleichen.

Die mormonische Schreiberin Helen Hinckley Jones sagte, als sie über die Urheberschaft des Buches Mormon kommentierte: „Jeder Schreiber hat einen Schreibstil, genauso wie er seinen eigenen Fingerabdruck hat“ (Improvement Era, Nov. 1960).

Das erste Viertel von Spauldings Manuscript Story (S. 1-33) wurde in der ersten Person geschrieben, der Rest in der dritten Person. Dasselbe trifft für das Buch Mormon zu. Mit Ausnahmen von Zitierungen wurden die ersten 133 Seiten in der ersten Person geschrieben, der Rest (ausgenommen Mormon und Moroni, zwei der letzten drei Bücher in dem 522-seitigen Werk) wurden in der dritten Person geschrieben. Der Wechsel tritt an ungefähr derselben Stelle des Verlaufs der Geschichte in beiden Texten auf.

Das Buch Mormon ist fast ganz in der „King-James-Bibel-Sprache“ geschrieben. Manchmal benutzte der Autor kurze Phrasen und Wortkombinationen aus dem Alten und dem Neuen Testament – eine Kenntnis, die man sich während jahrelanger Arbeit als Geistlicher angeeignet haben könnte. Die Buch-Mormon-Gruppenwörter erscheinen wie überflüssig. Solche Ausdrücke wie „beben und zittern“, „Güte und Gnade“, „Visionen und Träume“, „Messias und Erlöser“ werden überall ausgiebig verwendet. Längere Überflüssigkeiten werden ebenfalls ausgiebig verwendet, zum Beispiel Verse wie: „sie entweihten nicht, auch lästerten sie Gott nicht“ (Jarom 1:5), „sie werden in die Länder ihres Erbteils heimgesammelt werden und in allen ihren Ländern der Verheißung aufgerichtet werden“ (2. Nephi 9:2). Diese Zeilen eifern dem hebräischen poetischen Parallelismus nach und sind für diesen Schreibstil typisch.

Der Schreibstil in Solomon Spauldings Manuscript Story ist oft dem des Buches Mormon ähnlich. Während Spaulding nicht den King-James-Wortlaut ausschließlich benutzte, wurden die religiösen Teile in diesem Stil [des Parallelismus] geschrieben. Kurze Zitate aus dem Alten und Neuen Testament werden wahllos verwendet. Er benutzte auch Überflüssigkeiten wie „Überraschung und Erstaunen“, „schlafen und ruhen“, „gütig und gut“, „Streit und Hader“. Ein längeres Beispiel von Spauldings Wiederholungslust lautet: „eure Übertretungen werden wie Schatten fliehen und eure Sünden werden durch den Rauch in die Schatten des Vergessens getragen werden“ (Manuscript Story, S. 12). Würde man Spauldings Schriften „and it came to pass“ [und es begab sich] hinzufügen, würden sich viele Zeilen wie Buch-Mormon-Verse lesen.

Eine der offensichtlicheren Ähnlichkeiten im Schreibstil in den beiden Werken findet man dort, wo jeder Bericht von den schweren Prüfungen erzählt, die die Reisenden erlebten, nachdem sie in Amerika gelandet waren. Fabius (der Schreiber des Spaulding-Berichts) und seine Gruppe finden sich in der unbekannten neuen Welt unter Wilden vor, ohne zu wissen, in welche Richtung sie reisen sollten, um zu ihrem Ursprungsland zurückzukehren. Der Schreibstil, der von Fabius bei der Schilderung seiner Gefühle der Verzagtheit über die Situation benutzt wird, unterscheidet sich vom üblichen Spaulding-Stil. Er stürzt sich in eine Bibel zitierende Rede, indem er mit einer negativen Form beginnt und sich zu einer optimistischen Herangehensweise durcharbeitet, die von Hoffnung getragen ist, dass sie mit Gottes Hilfe schließlich ihren Weg zurück zum Land ihrer Geburt finden werden.

Im Buch Mormon findet sich Nephi, der Schreiber des nephitischen Berichts, ebenfalls in einer scheinbar hoffnungslosen Situation vor, nachdem er in Amerika ankommt. Sein Vater, Lehi, war gerade gestorben, seine Brüder hatten gegen ihn rebelliert und er befand sich ebenfalls in einer fremden, unbekannten, neuen Welt. Nephi bringt seine Gefühle der Verzagtheit wie sein Gegenstück Fabius zum Ausdruck. Sein Schreibstil wechselt ebenso in schwere Bibel zitierende Phrasen und hat einen negativen Unterton, aber gipfelt in der Hoffnung, dass Gott ihm helfen wird, seine Schwierigkeiten zu überwinden.

Spauldings Fabius streut Phrasen des Alten und Neuen Testaments während seiner gesamten Wehklage ein: „Sie gießen sich wie eine Flut über meine Seele und ziehen mich hinunter wie das Gewicht eines Mühlsteins; 'oh, dass mein Kopf wie Wasser wäre und meine Augen eine Quelle von Tränen' (vgl. Jer. 9:1); dann sollte sich meine unerträgliche Last in einen Sturzbach ergießen und meine Seele befreien' (vgl. Hebr. 13:23); siehe 'ein Licht ist erschienen' (vgl. Matth. 4:16) und strahlt auf meine Seele; in seinem Gefolge bringt es Hoffnung – so dass der himmlische Gott, jener 'sichere und starke Anker' (vgl. Hebr. 6:19), einen sicheren Weg in unser Geburtsland weisen wird“ (Manuscript Story, S. 16).

Der Nephi des Buches Mormon benutzt in seiner Wehklage ebenfalls Verse des Alten und des Neuen Testaments: „Ich unglücklicher Mensch“ (vgl. Röm. 7:24); „mein Herz trauert wegen meines Fleisches, meine Seele ist bekümmert wegen meiner Sünden... trotzdem weiß ich, auf wen ich vertraut habe... er hat mich auf 'den Wassern der großen Tiefe' bewahrt (vgl. Jes. 51:10); warum sollte mein Herz weinen und meine Seele im 'Tal des Todes' weilen (vgl. Ps. 23:4); meine Seele wird sich an dir erfreuen, mein Gott und 'Felsen meiner Errettung' (vgl. Ps. 62:2); 'mögen die Pforten der Hölle' (vgl. Matth. 16:18) für immer für mich verschlossen sein; weil mein Herz gebrochen ist und mein Geist zerknirscht ist' (vgl. Ps. 51:17); Oh Herr willst du mich 'im Mantel deiner Rechtschaffenheit' einhüllen' (vgl. Jes. 61:10); ja, ich weiß, dass 'Gott dem freizügig geben wird, der bittet'“ (vgl. Jakobus 1:5; 2. Nephi 4:17, 35).

Wenn wir die Aussagen der beiden Reisenden vergleichen, wird die Ähnlichkeit im literarischen Stil offensichtlich. Jeder Bericht wird mit einer Kombination aus Versen des Alten und des Neuen Testaments geschrieben, der anders ist als die vorhergehenden und nachfolgenden Zeilen. Diesen Block an Bibelzitaten findet man an derselben relativen Stelle in jedem Verlauf beider Geschichten, in ähnlichen Situationen, und dies verleiht der Wahrscheinlichkeit einer Verbindung zwischen Spauldings Manuscript Story und dem Buch Mormon zusätzliche Stärke.

 

 

Chiasmus

 

Eine zusätzliche Ähnlichkeit im literarischen Stil der beiden Werke (und wahrscheinlich die wichtigste) ist die Verwendung von chiastischer Satzstrukturen. Ein Beispiel von chiastischer Schreibweise ist: „Er ging in das Land; in die Stadt ging sie.“ Ein Chiasmus kann ausgedehnt werden und jede Anzahl von Begriffen enthalten, die in einer Reihenfolge geschrieben werden und dann ähnlich neu formuliert in genau entgegengesetzter Reihenfolge.

Das Buch Mormon ist voll von Versen dieser Art, aber sie sind weit umfangreicher. Viele Bücher innerhalb des Buches Mormon sind stark mit chiastischen Phrasen durchsetzt und können ein Versuch des Autors sein, die chiastische Schreibweise der Heiligen Schrift zu imitieren. Das Bibelbuch Jesaja wird ausgiebig in 2. Nephi innerhalb des Buches Mormon zitiert, was vermuten lässt, dass der Schreiber Gelegenheit hatte, den verwendeten Schreibstil ausgiebig zu studieren. Der chiastische Stil in Jesaja 2:7-20 ist offensichtlich.

Jesaja schreibt: „Ihr Land ist voller Silber und Gold... ihr Land ist auch voller Götzen; sie beten die Werke ihre eigenen Hände an... tretet in den Felsen ein und versteckt euch im Staub aus Furcht vor dem Herrn und wegen der Herrlichkeit seiner Majestät. Die stolzen Blicke des Menschen und der Hochmut der Menschen soll gebeugt werden und der Herr allein soll an jenem Tag erhöht werden.“

Dann wiederholt Jesaja die Gedanken, die er gerade dargebracht hat, in umgekehrter Reihenfolge: „Und der Stolz der Menschen soll gebeugt werden und der Hochmut der Menschen soll erniedrigt werden: und der Herr allein soll an jenem Tag erhöht werden... und sie sollen in die Felsenlöcher und in die Höhlen der Erde gehen, aus Furcht vor dem Herrn und wegen der Herrlichkeit seiner Majestät... an jenem Tag wird ein Mann seine Götzen aus Silber und seine Götzen aus Gold, die jeder machte, um sie anzubeten, hinauswerfen...“

In Spauldings Manuskript erscheinen die ersten erkennbaren Phrasen, die eine Wiederholung von Zeilen in umgekehrter Reihenfolge zeigen, auf den Seiten 4 und 5 in der Schilderung der stürmischen Seereise. Auf den Seiten 11 und 12 schreibt der Autor wieder in diesem Stil. Spauldings Kapitel über Religion (Seite 27-32) enthält den konzentriertesten Block an chiastischen Phrasen, den man in seiner Geschichte findet. Das Meiste in dem Kapitel ist in diesem hebräischen Stil geschrieben. Ein gutes Beispiel findet man auf den Seiten 28 und 29.

Spaulding begann: „Es gibt ein intelligentes, allmächtiges Wesen, das durch sich selbst existiert und unendlich gut und gütig ist... aus seiner eigenen geistigen Substanz formte er sieben Söhne... (dann wiederholt Spaulding in umgekehrter Reihenfolge) in jeden Körper gab er ein Teilchen von seiner eigenen geistigen Substanz... der Mensch war bei seiner ersten Erschaffung zur Mildherzigkeit und Güte geneigt. Es gibt auch noch ein anderes großes intelligentes Wesen, das aus sich selbst heraus existiert... aber es hat keine Allmacht.“

Der Mormonengelehrte John Welch bemerkt, dass chiastische Schreibweise „Joseph Smith völlig unbekannt“ war „und erst im jetzigen Jahrzehnt von der Welt weltweit erkannt“10 wurde. Die Entdeckung der Satzstrukturen im Spaulding-Manuskript, die im Wesen chiastisch sind, liefert eine zusätzliche Ähnlichkeit zwischen seinem Manuskript und dem Buch Mormon und erhöht im Kern die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hauptteil des Buches Mormon ein Werk Spauldings gewesen sein kann.

10 John W. Welch, "Chiasmus in the Book of Mormon,"The New Era, Feb. 1972.

 

 

Erfundene Namen

 

Die Schreiber des Buches Mormon und der Manuscript Story verwendeten viele originale, richtige Namen und schienen diejenigen zu bevorzugen, die von Namen abgeleitet wurden, die vorher im Text verwendet wurden. Beispiele solcher Namen, die von Spaulding erfunden wurden, sind: Ulipoon, Hamboon, Lakoon[rod], Taboon, Haloon, Ramock, Ranbock, Kelsock und Hanock. Beispiele im Buch Mormon sind: Tabaloth, Hagoth, Limhah, Limnah, Limner und Limhi.

 

 

Wortkombinationen

 

Das Buch Mormon und der Spaulding-Roman verwenden Hunderte von identischen oder sehr ähnlichen Wortkombinationen. Im Folgenden werden einige Beispiele angeführt.

 

 

[Muss hier in Englisch dargestellt werden, da bei einer Übersetzung die Ähnlichkeiten verloren gehen.]

 

Manuscript Story
(1910 LDS edition)



Book of Mormon
(1950 LDS edition)



An account of Baska... attended by
his wife and four sons, the eldest
(p. 32 chapter heading; p. 33)

An account of Lehi and his wife Sariah and his four sons... the eldest
(1 Nephi: book heading/summary)

band of about three thousand
(p. 100)

little band of two thousand
(Alma 57:6)

It is impossible to describe the horror
of the bloody scene . . . the blood and carnage
(p. 105)

It is impossible . . . to describe . . . horrible scene of the blood and
carnage

(Mormon 4:11)

the rights of their country
(p. 31)

the rights of their country
(3 Nephi 6:30)

die . . . in the cause of their country
and their God

(p. 79)

died in the cause of their country
and their God

(Alma 56:11)

Crying with a loud voice
(p. 80)

Crying with a loud voice
(Alma 46:19)

they pierce my soul like daggers
(p. 88)

daggers . . . pierce their souls
(Jacob 2:9)

Determined to conquer or die
(p. 91)

Determined to conquer . . . or die
(Alma 56:17)

in a dark, dreary swamp
(p. 12)

in a dark and dreary waste
(1 Nephi 8:7)

Cast up his eyes towards heaven
(p. 75)

Cast their eyes towards heaven
(3 Nephi 17:24)

paleness began to cover her face
(p. 61)

paleness which has come upon your face
(Helaman 9:34)

 

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