PERSÖNLICHER HINTERGRUND UND VOREINGENOMMENHEITEN

PERSÖNLICHER HINTERGRUND UND VOREINGENOMMENHEITEN

 

Niemand kann gänzlich objektiv sein und es ist am leichtesten mit Vorurteilen umzugehen, wenn sie so weit wie möglich erkannt werden. Somit werde ich meinen Hintergrund zusammenfassen, soweit er sich auf dieses Thema bezieht. Diejenigen, die diesen Aufsatz lesen, können dann die Vorurteile, denen ich mir bewusst bin, zulassen.

 

Ich bin ein akademischer Wissenschaftler mit einem Vorurteil gegen übernatürliche Erklärungen. Ich führte ein Team, das grundlegende und angewandte Chemie und Mikrobiologie erforschte. Wir nehmen an, das übernatürliche Agenten, falls sie existieren, keine Auswirkung auf das Ergebnis unserer Experimente haben. Wenn uns also Mikroorganismen in irgendeiner Weise überraschen, schreiben wir ihr Verhalten ihren Genen und ihrer biochemischen und ökologischen Wechselwirkung mit ihrer Umgebung zu, und durch zusätzliche Experimente versuchen wir zu verstehen, was an diesen Genen und Wechselwirkungen das verursachte, was wir beobachteten. Wir unterstellen oder anerkennen gar dem Übernatürlichen keine Rolle. Wir nehmen deshalb ausdrücklich an, dass keine Götter, Dämonen, Kobolde oder böse Hexen unsere Experimente verpfuschen. Genauso verhält es sich mit anderen wissenschaftliche Disziplinen. Wenn Geologen Sedimente untersuchen, nehmen sie an, dass natürliche Prozesse eine angemessene Erklärung für das bieten, was sie beobachten. Sie nehmen zum Beispiel an, dass keine Gottheit, die Sedimente geändert hat, um Beweise für eine weltweite „Große Flut“ zu verbergen, auf der Noah seine Arche treiben ließ. Trotz des obigen Vorurteils für 25 Jahre, einschließlich der ca. 10 Jahre, die ich als Wissenschaftler arbeitete, befand ich mich unter denen, die glaubten, dass das Buch Mormon buchstäblich das war, was es vorgab. Paradoxer und unlogischer Weise glaubte ich nie an die biblischen Geschichten von Noahs Arche oder dem Turm zu Babel, auch wenn diese Berichte im Buch Mormon als richtig angenommen werden. Dies ist ein Beweis für das Verleugnen, das durch Cognitive Dissonanz produziert wird. Wie aber zuvor schon erörtert, wurde die Dissonanz zwischen den sich häufenden Beweisen gegen den Mormonenglauben und meinem Verständnis der Wissenschaft so groß, dass sich mein Glaube änderte. Ich kam zu der Ansicht, dass es allein auf der Grundlage von wissenschaftlicher Betrachtung höchst wahrscheinlich war, dass das Buch Mormon eine Fiktion war. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich wie viele an, dass Smith gemäß dem, was ich in Fawn Brodies No Man Knows My History und in Büchern von angesehenen Historikern gelesen hatte, der Autor gewesen sein muss. Ich schrieb sogar einen kurzen Aufsatz, der sich mit der Ansicht 'Smith-als-alleiniger-Autor' befasste, und ich postete diesen Aufsatz unter dem Titel 'Storytime' auf der www.2Think.org -Webseite (eine Kopie dieses Postings ist auf http://www.anyboard.net/soc/2think/archive/5818.html#5846 archiviert). Ich basierte meine Schlussfolgerung darauf, dass Smith der Autor der Hauptteile des Buches Mormon gewesen sein müsste, was mir so erschien, wie HLT-Generalautorität und Historiker B. H. Roberts es ausdrückte: 'die Wunder-Erzählung eines frommen aber unreifen Geistes' (http://www.irr.org/mit/bhrobert.html): Die Monty-Python-artige Szene von Ammon, der die Arme angreifender Diebe abschlägt, das maskuline, herausfordernde Benehmen des Captain Moroni, der das Banner der Freiheit schwenkt, das verzweifelte Ringen um Luft des enthaupteten Shiz. Somit ist es fair zu sagen, dass ich von dieser Zeit an eine naturalistische Smith-der-alleinige-Autor-Erklärung akzeptierte und voreingenommen favorisierte. Ich war ebenfalls zu glauben geneigt, dass Smith irgendwie ernsthaft war, dass das Buch von Gott inspirierte Fiktion enthielt. Aber, wie am Glauben an den Mormonismus selbst, begannen sich Risse zu bilden.

Irgendwann in den späten 90ern kam mir eine Probe von Smiths frühen Schriften unter die Augen, in der er seine förmliche Schulbildung wie folgt beschreibt:

 

...uns war der Vorzug einer Schulbildung verwehrt; es sei nur gesagt, dass ich nur Lesen, Schreiben und die Grundregeln der Arithmetik gelernt hatte, was meine gesamte literarische Fertigkeit ausmachte...

 

Diese Aussage wurde 1831 niedergeschrieben, ein Jahr nach der Veröffentlichung des Buches Mormon. Trotz meines öffentlich verkündeten Glaubens an die Smith-der-alleinige-Autor-Theorie begann ich mich zu fragen, wie dieser ungebildete, junge Mann (beachten Sie, dass ich nicht 'unintelligent' sage) das Buch Mormon geschrieben haben könnte – ein Buch, von dem ich wusste, dass es sehr komplex war. Es half der Sache nicht, dass ich dieselbe Frage Untersuchern stellte, als ich ein HLT-Missionar war.

Um das Jahr 2000 wurde ich in einen Briefwechsel mit meinem Schwiegervater in Bezug auf meine Entscheidung verwickelt, mich aus der HLT-Kirchenaktivität zurückzuziehen (später legte ich meine Mitgliedschaft nieder). Er warf wieder die Frage auf: Wie konnte Smith, ein ungebildeter, junger Mann, das Buch Mormon geschrieben haben. Ich sagte ihm, dass ich einige Gedanken hätte, aber dass es besser wäre, sie nicht zu vertiefen. Die Wahrheit ist: Ich war nicht sicher.

Dann stieß ich auf Postings von Jeff Hammel und Randy Jordan auf der Recovery-from-Mormon-Internetseite unter http://www.exmormon.org/boards/w-agora/w-agora.php3?site=exmobb&bn=exmobb_recovery. Ihre Argumente unterstützten die Spalding-Rigdon-Theorie. Ich wusste wenig über diese Theorie. Also entschied ich, mich damit zu befassen. Dies brachte mich auf die Internetseite von Dale Broadhurst und Ted Chandler, wo ich eine Fülle an Information fand. Gleichzeitig studierte ich noch einmal das Buch Mormon, in der Hoffnung, Hinweise auf seinen Ursprung zu finden.

Nach ungefähr 3 Jahren war ich mir sicher, dass die Spalding-Rigdon-Theorie die beste Erklärung für das Buch Mormon war. Was mir daran gefiel, war, wie sie die Beweise systematisierte und integrierte, wobei sie viele Fakten, die sonst nicht in Einklang zu bringen waren, in Einklang brachte. Sie hatte auch vorhersagende Macht. Ich sollte erklären, was ich damit meine. Wenn ich annähme, dass die Spalding-Rigdon-Theorie richtig wäre, wäre ich in der Lage eine zeitliche Reihenfolge für die Erstellung des Buches Mormon zu folgern, und auf Grund dieser zeitlichen Reihenfolge könnte ich bestimmte Dinge über die Struktur und den Inhalt des Buches Mormon voraussagen. Als ich den Buch-Mormon-Text untersuchte, um zu sehen, ob diese Voraussagen bestätigt würden, fand ich heraus, dass es tatsächlich so war. Zum Beispiel ist der 15. Juni 1828 in der zeitlichen Reihenfolge des Buches Mormon ein wichtiges Datum. Dies war das Datum, an dem Lucy Harris die ersten 116 Seiten des Buches Mormon beseitigte. Smith war höchst bestürzt über dieses Ereignis. Man kann leicht sehen warum, besonders, wenn er Spaldings Originale vernichtet hätte, nachdem er sie dem Schreiber vorgelesen hatte. Er hätte Rigdon benötigt, um einen Ersatz zu schaffen. Aber dies hätte Rigdon eine Gelegenheit, eine Chance geschaffen, Lehren hinzuzufügen, die zwischen dem 21. September 1827, als er vermutlich Smith den Bericht gab, und dem 15. Juni 1828, als die Seiten verloren gingen, populär geworden waren. Er konnte Lehren einfügen, die in ansprachen, und besonders solche, die in diesem Zeitintervall populär geworden waren. Dies würde die Wahrscheinlichkeit für eine günstigere Akzeptanz des Buches Mormon steigern. Aber um dies zu erreichen und interne Folgerichtigkeit zu gewährleisten, würde er Zugriff auf den Anfang und auf das Ende Buches Mormon benötigen. Auf Grund dieser Logik könnte ich voraussagen, dass Rigdons Glauben vor 1830 und vielleicht sein Wortgebrauch sich in der Nähe des Anfangs und an seinem Ende konzentrieren würde. Und das ist das, was ich herausfand. Die Rigdon-artige Theologie ist besonders am Ende der Bücher 2. Nephi und Moroni konzentriert. Besonders signifikant ist das Vorhandensein einer campbellitischen Bekehrungsabfolge, die zwischen 1827 und 1828 beliebt wurde. Und diese Glaubensgrundsätze gehen mit speziellen Wortgebrauchsmustern einher. Ich werde hierauf und auf andere Muster später zurückkommen, aber dieses Beispiel illustriert, was ich mit Vorhersage und Bestätigung einer Hypothese meine, die auf einer Annahme basiert, dass die Spalding-Rigdon-Theorie korrekt ist.

Da ich hoffe, dass das obige Beispiel es verdeutlicht, habe ich so weit wie möglich versucht, eine wissenschaftliche Herangehensweise zu verwenden, um die Punkte zu definieren und zu verbinden, die für die Autorschaft des Buches Mormon relevant sind. Das heißt, ich habe mich bemüht, jeden mir verfügbaren Beweis in Betracht zu ziehen, und ich habe versucht, diese Beweise in Bezug auf ihre Verlässlichkeit einzuschätzen. Ich habe auch versucht, meine Voreingenommenheit und meinen begrenzten Zugriff zu identifizieren und zu kompensieren. Ich versuchte es zu erreichen, indem ich Abzüge dieses Aufsatzes an so viele kenntnisreiche Leute wie irgend möglich verschickte, um ihre Kritik zu erfahren, und ich habe bedeutsame Teile meiner Analyse der öffentlichen Kritik ausgeliefert, indem ich Auszüge auf der Recovery-from-Mormonism-Internetseite postete. Dadurch erfuhr ich, dass ich in einigen Fällen nicht verlässliches Material mit einbezog. Also musste ich einige Punkte ausradieren und die Schattierung einiger anderer ändern. Viel häufiger fügte ich Punkte hinzu, da mir neue Information durch den Austausch mit meiner Überprüfungsgruppe verfügbar wurde. Die neuen Punkte stimmten im Allgemeinen mit dem Bild, das sich abzeichnete, überein. Dies gab mir zunehmende Zuversicht auf das gesamte Bild. Also während ich erwarte, dass neue Information ans Licht kommt, die weitere Änderungen erforderlich machen würde, halte ich es für höchst wahrscheinlich, dass es jetzt genügend Punkte gibt, um ein klares Bild zu erkennen, und der Verlust oder Gewinn einiger Punkte wird es nicht radikal ändern. Diese Meinungsänderung bedeutet, dass ich wieder 'bestätigender Voreingenommenheit' unterworfen bin. Ich bin so gut ich kann auf die aufgezeigte Art und Weise damit umgegangen und ich lade zu jeder nachdenklichen Kritik ein, die Leser beitragen möchten.

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