Schlussfolgerungen

7 Schlussfolgerungen

 

NSC hat sich für die Klassifizierung der Urheberschaft als höchst brauchbar erwiesen. Es hat eine geringere Fehlerrate bei der Überkreuzbewertung als Delta, eine niedrigere Rate der Zuordnung von falschen Positiven und eine auf Wahrscheinlichkeiten basierende Ausbeute, die zu einer in die Tiefe gehenden Interpretation der Ergebnisse befähigt, einschließlich der Spekulation in Bezug auf mögliche Verbindungen zwischen Autorenkandidaten. Die NSC-Ergebnisse stimmen mit der Spalding-Rigdon-Theorie zur Autorenschaft überein. Beweise, die diese Schlussfolgerung unterstützen, sind unter anderem das Hervorragen von Signalen für Spalding und Rigdon, das Vorhandensein von starken Spalding-Signalen in Abschnitten des Buches Mormon, die früher schon mit Spalding in Verbindung gebracht wurden, das Vorhandensein eines dominanten Rigdon-Signals in den meisten theologischen Abschnitten und ein starkes Spalding-Signal in eher weltlichen, erzählenden Abschnitten. Unsere Entdeckungen stimmen mit Geschichtsgelehrten überein, die auf eine zentrale Rolle Rigdons hinweisen, der ein heute vermisstes Spalding-Manuskript sicherte und modifizierte. Die hohe Anzahl von Spalding-Rigdon-Paarungen in Bezug auf den ersten und zweiten Platz lässt stark vermuten, dass Spalding und Rigdon für einen großen Teil des Textes verantwortlich waren. Pearsons chi-sqare-Test der Unabhängigkeit wurde durchgeführt und weist darauf hin, dass die Verteilung der Erste-Platz-Zurodnungen deutlich von einer Einheitlichkeit abweicht (P < 2 x 10-16). Ähnlich weicht die Verteilung der Zweite-Platz-Zuordnung entschieden von der Einheitlichkeit ab (P < 2 x 10-16). Deutlich mehr Kapitel werden Rigdon, Spalding und Jesaja-Maleachi zugeordnet, als man hätte auf bloßen Zufall hin erwarten können. Weitere Verbindungen, die durch diese Arbeit herausgefunden wurden, stimmen ebenfalls mit dem historischen Bericht überein, einschließlich der Wahrscheinlichkeit einer geringeren, großenteils editorischen Rolle für Cowdery und eine mögliche geringere, wenn auch unerwartete Rolle für Pratt.

Auf der Grundlage dieser Beweise finden wir, dass die ursprünglichen Behauptungen Howes (1834, 1977) und die viel jüngeren Behauptungen Cowdreys und seiner Mitarbeiter ziemlich plausibel sind; es scheint wahrscheinlich, dass die Version des Buches Mormon von 1830 die Schöpfung Sidney Rigdons, eines Reformierten-Baptisten-Predigers, war, der Motive, Mittel und die Gelegenheit hatte, das Projekt auszuführen (Cowdrey et al., 2005). Wir sind uns bewusst, dass einige, weil unsere Proben von Rigdon-Prosa alle nach 1830 entstanden, argumentieren könnten, dass Rigdons Prosa vom Buch Mormon beeinflusst wurde und nicht umgekehrt. Um aber solch einen Einwand zu erheben, müsste man argumentieren, dass Rigdon so vom Buch Mormon beeinflusst war, dass er bewusst oder unbewusst die meisten unterschwelligen und unmerklichen linguistischen Muster, die man in bestimmten Teilen des Textes, aber nicht in anderen findet, aufgenommen, ja, verinnerlicht hätte.

Die Veröffentlichung des Buches Mormon beeinflusste mit höchster Sicherheit nicht Solomon Spalding, der 14 Jahre vor seiner Publikation starb. Dennoch unterstützen unsere Daten stark die historische Behauptung, dass ein verloren gegangenes Manuskript als Quelltext für das Gerüst der Erzählung des Buches Mormon diente. Das Dokument, das wir für Proben von Spaldings Schriften verwendeten ('Manuscript Story', auch bekannt als 'Das Oberlin-Manuskript') passt nicht mit den Augenzeugenbeschreibungen von 'Manuscript Found' zusammen, dem Romanentwurf, den Spalding seinen Freunden und seiner Familie in Conneaut vorlas, auch passt es nicht mit dem Buch Mormon zusammen.49 Die Spalding-Rigdon-Theorie beruht stark auf der Annahme, dass einst zusätzliche Spalding-Manuskripte existierten und dass Material aus einem dieser Manuskripte den Rahmen der Erzählung des Buches Mormon lieferte. Dieses zusätzliche Manuskript wäre dasjenige, das Conneaut-Zeugen und andere als 'Quelle' des Buches Mormon identifizierten. Während dieses Manuskript nicht verfügbar ist, lieferte uns trotzdem das Oberlin-Manuskript verlässliche Proben von Spaldings Prosa und das linguistische Signal, das darin ausfindig gemacht wurde, tritt mit bezeichnender Regelmäßigkeit im gesamten Buch Mormon auf.

Natürlich haben wir nicht jeden möglichen Autorenkandidaten in Betracht gezogen, der die Komposition des Buches Mormon hätte beeinflusst haben können. Wir haben aber vielleicht mit Ausnahme von Joseph Smith die wahrscheinlichsten Kandidaten ausgewählt. Im Falle Joseph Smiths hatten wir keine verlässlichen Prosa-Proben zum Testen. Wenn verlässliches, identifiziertes Material erhältlich werden wird, wäre es wert ihre Hinzufügung zu dieser Analyse in Betracht zu ziehen. Eine Bemühung solche Schriften zusammenzustellen ist zur Zeit auf dem Weg.50

Das Wissen darüber, wer das Buch Mormon wahrscheinlich konstruierte, hat für die Gelehrtenschaft der Mormonengeschichte und für religiöse und kulturelle Studien im Allgemeinen bedeutende Auswirkungen, da sie sich an das Fundament einer zum Vorschein kommenden Weltreligion richtet, die jetzt mit 13 Millionen Mitgliedern eingeschätzt wird. Unsere Analyse unterstützt die Theorie, dass das Buch Mormon von vielen Autoren des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde, und im Besonderen finden wir eine starke Unterstützung für die Spalding-Rigdon-Theorie über die Urheberschaft. In all den Daten finden wir Rigdon als vereinigende Kraft. Seine Signale beherrschen das Buch und da, wo andere Kandidaten wahrscheinlicher sind, verbirgt sich Rigdon oft in den Schatten.51

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