Hintergrund

1 Hintergrund

 

Seit der Veröffentlichung im März 1830 ist der Ursprung des Buches Mormon – besonders sein Anspruch, antiken Ursprungs zu sein – das Thema intensiver Forschung und Debatte gewesen. Der Mormonenprophet Joseph Smith Jun. (1805-44) behauptete, dass ein Engel ihm einen Bericht übergab, der ungefähr von 2200 v. Chr. bis 421 n. Chr. von alten Ureinwohnern Amerikas in 'reformiertem Ägyptisch' geschrieben wurde. Smith behauptete einen Seherstein benutzt zu haben, um den Bericht ins Englische zu übersetzen. Um den Februar 1831 erschienen zwei wetteifernde Theorien: Alexander Campbell (1831), Gründer der religiösen Bewegung der Campbelliten, schlug Smith selbst als Autor vor, während der Cleveland Advertiser (1831) Sidney Rigdon vorschlug.1 Rigdon war ein früherer Campbellitenprediger, der sofort nach seiner rasend schnellen Bekehrung im Oktober 1830 einen kirchlichen Status ebenbürtig mit Smith erwarb. Schließlich kam Campbell (1844) zu dem Schluss, dass Rigdon der wahrscheinliche Autor des Buches Mormon war, aber seine anfängliche Erklärung war, dass Smith das Buch aus Predigten und örtlicher Folklore zusammenstellte.2

Ein Jahr später, im Februar 1832, wurde ein dritter Kandidat als Autor genannt, als die Mormonenmissionare Orson Hyde und Samuel Smith an einer Schule in Conneaut (New Salem), Ohio, aus dem Buch Mormon vorlasen. Nehemia King, der bei diesen Lesungen anwesend war, behauptete, dass Hyde 'aus den [romanähnlichen] Schriften Solomon Spaldings gepredigt hatte' (Wright, 1833).3 Spalding (oft 'Spaulding') war ein frustrierter Romanschreiber, der vor seinem Tod 1816 (d. h. von 1811 bis 1815) seine unveröffentlichte Novelle mit seinen Nachbarn, seiner Familie und seinen Bekannten in Conneaut teilte. 1833 wurde E. D. Howe auf die Spalding-Behauptungen aufmerksam, der sich mit dem Exmormonen Philastus Hurlbut zusammentat, um die Angelegenheit zu untersuchen. Hurlbut sammelte Beeidete Erklärungen von Spaldings früheren Nachbarn und Familienmitgliedern in Conneaut.4 Die Zeugen erinnerten sich, eine Menge über die Verschwörung gehört zu haben und von etlichen Namen aus dem Buch Mormon in einem Auszug aus der Novelle mit dem Titel 'Manuscript Found', ein jetzt verloren gegangener Text, den Spalding zur Veröffentlichung einem Verleger in Pittsburgh Ende 1812 übergab. In Mormonism Unvailed [sic] (1834, 1977) verknüpfte Howe Rigdon mit Spalding auf Grund dieses Verlegers. Die sich daraus ergebende 'Spalding-Rigdon-Theorie' besagt, dass Rigdon über seine Verbindungen zum Verlagsgeschäft in Pittsburgh das Spalding-Manuskript erwarb, seine eigene Theologie hinzufügte und es dann der Öffentlichkeit über Smith als das Buch Mormon offenbarte. In den Jahren nach Howes Veröffentlichung lieferten andere Zeugenaussagen, die die Theorie unterstützen, einschließlich Spaldings Witwe, Spaldings Tochter, des Besitzers des Verlagsgeschäfts in Pittsburgh und weitere, die behaupteten, dass Spalding sein Werk mit ihnen teilte5 oder die behaupteten, eine Kopie von 'Manuscript Found' nach Spaldings Tod gesehen zu haben.6 Ausweitungen der Theorie folgten, einschließlich einer detaillierten Analyse durch William H. Whitsitt (1886, 1891) über Rigdons Leben und anderer wahrscheinlicher Mitarbeiter, einschließlich Smiths Cousin zweiten Grades, Oliver Cowdery, einem Schullehrer mit Editiererfahrung (Deming 1888), und Parley P. Pratt, einem früheren Schüler Rigdons (Schroeder, 1901).7

Während des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts war die Spalding-Rigdon-Theorie die bevorzugte Erklärung für den Ursprung des Buches Mormon, aber Fawn Brodies (1945) Verwerfung dieser Theorie in ihrer kontroversen Biographie über Smith kennzeichnete einen Wendepunkt in der Debatte. Indem sie die Zeugen als intrigant herabbeschwörte und ihnen das 'Syndrom des Falscherinnerns' unterstellte, verwarf Brodie die Beeideten Erklärungen, die von Hurlbut gesammelt wurden. Sie glaubte, dass ein handschriftliches Dokument Spaldings, das in Honolulu, Hawaii, entdeckt und in einem großen Umschlag gelagert wurde, auf dem mit Bleistift der Titel 'Manuscript Story – Conneaut Creek' (1810) geschrieben stand, in der Tat das verlorene Spalding-Dokument wäre, das den Conneaut-Zeugen als 'Manuscript Found' bekannt war.8 Obwohl sie keinen Beweis hatte, dass das Honolulu-Manuskript derselbe Text war, den die Conneaut-Zeugen hörten, als Spalding ihn ihnen vorlas (und später als Quelltext für das Buch Mormon erkannten), schloss Brodie trotzdem, dass Spalding nicht Autor des Buches Mormon hätte sein können, weil die Ähnlichkeiten zwischen dem Buch Mormon und dem Text, der in Hawaii gefunden wurde, 'nicht genügte, um die These der allgemeinen Autorenschaft zu rechtfertigen'.9 Ihre Ablehnung der Spalding-Rigdon-Theorie wurde so sehr allgemein akzeptiert, dass die Spalding-Rigdon-Theorie von den meisten Studenten der Mormonengeschichte als 'ein geschichtschreiberisches Kunstprodukt ohne Glaubwürdigkeit unter ernsthaften Gelehrten' angesehen wurde (Bushman, 2005).

Unter zeitgenössischen weltlichen Gelehrten über den Mormonismus ist die Theorie von Smith als einzigen Autor die allgemein akzeptierte Erklärung. Vertreter dieser Theorie des 20. Jahrhunderts begannen mit I. Woodbridge Riley (1902), der behauptete, dass Smith seine Inspiration aus lokal erhältlichem Quellenmaterial, einschließlich Ethan Smiths (1825) View of the Hebrews bezog. Riley spekulierte auch, dass Joseph Smiths Schriften von Epilepsie herbeigeführten Visionen beeinflusst waren und dass Smith Charaktere aus den Mitgliedern seiner Familie, einschließlich sich selbst, modellierte. Brigham Roberts (1857-1993), ein Mormonenführer und Intellektueller, dessen Schriften in Studies of the Book of Mormon (Madsen, 1985) gesammelt sind, kam ebenso zum Schluss, dass Smith die Vorstellungskraft und das Quellenmaterial hatte, um das Buch Mormon selbst zu erschaffen (1985). Smiths textliche Quellen, argumentierte Roberts, schlossen wahrscheinlich View of the Hebrews und Josiah Priests (1825) Wonders of Nature and Providence mit ein. Brodie (1945) brachte ähnliche Argumente vor und folgte Rileys Fußstapfen mit Spekulationen in Bezug auf Smiths Psychologie (1971). In einem neueren Werk liefert David Persuitte (2000) textliche Parallelen, um die Verbindungen zu Ethan Smith und Josiah Priest zu stärken, während Historiker Dan Vogel (2004) die psychologische Spekulation ausweitet und vorschlägt, dass das Buch Mormon am besten als das Ergebnis der Dynamik der Familie Smith und von Smiths Bereitschaft, sich auf einen frommen Schwindel einzulassen, erklärbar ist.

Außer den historischen Studien über Smith und die Quellen des Buches Mormon (wie die oben erwähnten), hat es eine kleinere Anzahl von quantitativen oder 'stilometrischen' Studien gegeben. Ein Forscherteam der Brigham-Young-Universität, geführt von Wayne Larsen, führte die ersten Studien durch (Larsen 1980)10. Indem sie Datenanalyse, Gruppen- und Klassifikationsanalysen betrieben, machten sich Larsen, Rencher und Layton daran, die Behauptung zu testen, dass das Buch Mormon das Werk eines einzigen Autoren (vielleicht Smith) oder vieler Autoren (aus alter Zeit oder aus dem 19. Jahrhundert) ist. Larsens Studie beinhaltete Analysen von 38 oft wiederkehrenden allgemeinen, nicht dem Zusammenhang entsprechenden Wörtern und 42 selten auftretenden, nicht dem Zusammenhang entsprechenden Wörtern. Um Häufigkeitslisten zu erstellen, nahmen die Forscher als erstes an, dass 'die Schreiber jedes Verses oder Teilverses gemäß der Information identifiziert werden könnten, die vom Text geliefert wird' und somit schrieben sie Verse und Teilverse Klassen zu, die auf ihre 'sorgfältige Untersuchung' des Textes beruhen (1980). Sie schlossen aus statistischen Analysen dieses Materials, dass der Text nicht das Werk Joseph Smiths war und dass viele Autoren ihn wahrscheinlich schrieben. Indem er Beispiele aus bekannten Schriften Solomon Spaldings, Sidney Rigdons und anderen Zeitgenossen Smiths benutzte, behauptete Larsen ferner, dass die mannigfaltigen Stilformen, die sie im Buch Mormon ausfindig machten, wahrscheinlich nicht das Werk einer dieser Autoren des 19. Jahrhunderts sein könnten.

Nun werden mehrere Probleme in der Methode offensichtlich, die von Larsen et al. (1980) angewendete wurde. Als erstes gruppierten sie Verse und Teilverse vom Buch Mormon zu Haufen, basierend auf ihr Verständnis von Sprechern (oder Charakteren) im Buch Mormon (d. h. Nephi, Alma usw.). Weil die Charaktere innerhalb dieser Auswahlen verschiedene vokabuläre 'Wordprints' hatten, schlossen sie, dass das Buch Mormon ein Werk von vielen Autoren wäre.11 Sie dachten ferner, dass sie, weil ihre Auswahlen nicht mit den Stilen der potenziellen Autoren des 19. Jahrhunderts zusammenpassten, schließen konnten, dass der Text nicht das Werk eines Autoren des 19. Jahrhunderts wäre. Aber ihre Analyse schloss nicht die Möglichkeit aus, dass ihre Auswahlen Zusammensetzungen wären, die verschiedene bruchstückhafte Beiträge verschiedener Autoren des 19. Jahrhunderts wären.

Ein weiteres Problem stammt aus Larsens Verlass auf kontextsensible Wörter. Obwohl Larsen behauptet, nur Wörter ohne textlichen Zusammenhang benutzt zu haben, ist seine Liste ausgewählter Wörter fragwürdig. Sie schließt Wörter ein wie 'behold', 'forth', 'lest', 'nay', O', 'unto', 'wherefore' und 'yea' – Wörter, die in Schriften gewöhnlich und somit dem Zusammenhang entsprechend sind. Sie treten in viel größerer Häufigkeit im Buch Mormon auf als in den Schriften von Autoren des 19. Jahrhunderts. Nehmen Sie das Wort 'unto' zum Beispiel. Es tritt 3610 mal im Buch Mormon auf, eine Rate von 135 pro 10.000 Wörtern. In der gesamten Sammlung von Chadwyck-Healey (2000) 'Early American Fiction', eine Sammlung von 875 Novellen über eine Zeitspanne von 1789 bis 1875 erscheint das Wort 'unto' 2346 mal, eine Rate von nur 3,8 pro 10.000 Wörtern.12 Sogar geistesverwandte Gelehrte wie der Statistiker D. James Croft (1981) warnen davor, sich zu sehr in Larsens Ergebnisse hineinzulesen.13

In einem Papier aus ungefähr 198814 behauptete der Mormonenuntersucher John L. Hilton, dass seine Gruppe Larsens Technik bedeutend verbessert hätte und dass ihre Ergebnisse seine Schlussfolgerung bestätigte, dass das Buch Mormon ein Werk vieler, obwohl antiker Autoren ist. Für seine Analyse des Buches Mormon wählte Hilton aber die Analyse subjektiv gruppierter und überarbeiteter Auswahlen aus dem Buch Mormon, die zu einem Textblock zu 5000 Wörtern zusammengefügt waren. Wie Larsen nahm Hilton an, dass die Charaktere wie Nephi und Alma als Kandidaten für Autoren betrachtet werden können und er wählte Textblöcke aus dem aus, was er 'didaktische' Abschnitte für die Charaktere 'Nephi' und 'Alma' nannte. Dann folgte er Larsen und nahm an, dass jede Auswahl nur das Werk eines einzelnen Autoren des 19. Jahrhunderts sein könnte, nicht das Werk von vielen Autoren des 19. Jahrhunderts. Bestenfalls könnte man hoffen, aus solch einer Analyse zu schließen, dass die ausgewählten Abschnitte nicht vom selben Autor sind, aber die verwendete Methode schließt nicht die Möglichkeit von vielen Autoren des 19. Jahrhunderts aus. Hiltons Methode stellt somit keine Schlüsselstellung in der Frage über die Urheberschaft des Buches Mormon dar.

In Anhang 3 jenes Aufsatzes identifiziert Hilton die Quellen für seine Zusammenstellung: Kein einziges Manuskript oder die 1830 veröffentlichte Version des Buches Mormon, aber stattdessen eine zusammengesetzte Zusammenstellung der Auswahlen aus vier Quellen, basierend auf dem, was er und sein Team für die ältesten hielten. Die Herkunft dieses Materials ist fragwürdig. Ebenfalls problematisch ist, dass Hiltons Zusammenstellung alter Mormonenmanuskripte nicht bedeutende Abschnitte und direkte Zitate aus der King-James-Bibel einschlossen – Abschnitte und Zitate, die ein anerkannter Teil des Buches Mormon von 1830 sind.15 Das wichtigste, Hiltons Analyse vernachlässigt es, einen Vergleich mit Rigdons Werk anzustellen. Diese Auslassung ist schwierig zu verstehen und gibt den anderen potenziellen Autoren, deren Werke Hilton analysierte, mehr Raum. In unserem Werk beziehen wir eine große Menge an neu erhältlichem Text von bestimmter Herkunft ein und sie erweitert die begrenzte Menge, die zur Zeit der Studie Larsens erhältlich war.

Noch zwingender als die Arbeiten Hiltons und Larsens ist die Arbeit des Statistikers David Holmes (1985, 1991 a, b, 1992). In getrennten Papieren von 1991 und 1992 untersuchte Holmes die Urheberschaft des Buches Mormon, indem er ein Datenanalyse-Maßstab für vokabulären Reichtum verwendete. Holmes verglich das Buch Mormon mit dreizehn Schriftproben von Joseph Smith, Joanna Southcott und der King-James-Bibel.16 Er maß die Reichhaltigkeit des Gebrauchs von Substantiven in den verschiedenen Werken: Eine Technik, von der Holmes behauptet, dass sie ihn befähigt, zwischen den 'persönlichen' und den 'prophetischen' Schriften Joseph Smiths zu unterscheiden, wie auch zwischen den persönlichen Schriften Smiths und denen von Joanna Southcott. Indem er diese Technik benutzte unterscheidet Holmes ferner zwischen der prophetischen Stimme Smiths und der von Southcott. Holmes leitet das 'Signal' für Smiths prophetische Stimme aus Smiths Offenbarungen ab, wie sie in Lehre und Bündnisse aufgezeichnet sind; die persönliche Stimme leitet er aus den Briefen und Tagebucheinträgen ab, die in Dean Jesses The Personal Writings of Joseph Smith gesammelt sind.

Die Unterschiede zwischen Smiths prophetischer und persönlicher Stimme ausfindig zu machen, war für Holmes eine Schlüsselentdeckung. Seine Technik schien sich als effektiv zu erweisen, zwischen Autoren und Stimmen der Autoren in verschiedenen Textzusammenhängen zu unterscheiden. Hiermit argumentiert Holmes, dass sein Datenanalyse-Maßstab für den vokabulären Reichtum keinen Beweis lieferte, der das Argument stützt, dass das Buch Mormon ein Werk vieler Autoren ist. Diese Schlussfolgerung stand in direktem Widerspruch zu früheren Analysen durch Larsen und Hilton. In Holmes Arbeit werden aber zwei Probleme offensichtlich: Erstens, sein Verlass auf die Briefe und die Tagebucheinträge, die von Dean C. Jessee in Personal Writings of Joseph Smith (Smith und Jessee, 2002) gesammelt sind, als verlässliche Quelle für Smiths persönliche Ausdrucksweise und, zweitens, sein Verlass auf die Lehre und Bündnisse als zuverlässige Quelle für Smiths prophetische Ausdrucksweise.

Obwohl Holmes sorgsam darin war, 'nur solche Briefe' auszuwählen, 'die von Smith selbst [in Smiths Handschrift] geschrieben wurden oder in den Handschriften der Sekretäre bewahrt wurden, die ausdrücklich erklärten, dass Smith diktierte' (Holmes, 1991b), ist selbst diese Teilmenge aus Dean Jessees Sammlung problematisch. Im Eröffnungssatz seiner Einleitung zu Personal Writings of Joseph Smith erklärt Jessee: 'Es spielt kaum oder gar keine Rolle, ob jemand sein eigenes Tagebuch, seine eigenen Briefe und Reden selbst schreibt oder andere delegiert für ihn zu schreiben' (Jessee, 2002). Sein Gedanke ist hier, dass selbst, wenn das Material von anderen geschrieben wurde, es den Geist Smiths widerspiegelt, als hätte er es tatsächlich geschrieben. Bei einer Analyse der Urheberschaften aber sind wir weniger darüber besorgt, ob ein Dokument den 'Geist' eines ihm zugedachten Autors erfasst, sondern viel mehr daran interessiert, ob das Dokument von dem ihm zugeordneten Autor und in dem natürlichen Stil desjenigen geschrieben wurde. Aber bei Smith können wir leider nicht schlussfolgern, dass die Dokumente, die ihm zugeordnet werden, tatsächlich Widerspiegelungen seines persönlichen literarischen Stils sind. Im Gegenteil, wenn man Smith studiert und Jessees Dokumentensammlung liest, erkennt man sofort, wie wenig wir, selbst mit gutem Willen, Smith und allein Smith zuordnen können. Jessee erwähnt die Probleme, die damit verbunden sind, wenn man behauptet, dass Smith der Autor der Worte war, die ihm zugeordnet werden: 'Seine Philosophie', schreibt Jessee, 'war, dass „ein Prophet nicht sein eigener Schreiber sein kann.“'17 In der Tat meidet sogar Jessee die Verwendung des Wortes 'Autor' und bevorzugt stattdessen 'Schriften, die ihm [Smith] zugeordnet werden'. Jessee zeigt auf, dass, während Smith 'eine beachtliche Sammlung von Papieren erzeugte, die Frage bleibt, wie klar sie seine eigenen Gedanken und seine Persönlichkeit widerspiegeln, [weil] wir die Beschränkungen erben, die sie erzeugt haben... der ausgiebige Gebrauch von Sekretären, die das Diktat aufnahmen oder sogar berufen waren, für ihn zu schreiben, und die Überarbeitung der Berichte über das, was er tat und sagte' (Smith und Jessee, 2002). Jessee erwähnt ferner, dass die 'Praktik... Augenzeugen-Schriftstücke einzufügen, die von indirekter in direkte Rede umgewandelt wurden... den Eindruck vermittelt, dass Joseph sie schrieb', obwohl er es tatsächlich nicht tat. Während er sich auf einen bestimmten Fall bezieht, schreibt Jessee, dass die 'Eindrücke, die über Joseph Smith vermittelt werden... wahrscheinlich mehr die Persönlichkeit des Schreibers als die Josephs widerspiegeln'. Selbst von den 23 Briefen in Smiths Handschrift, die Jessee in Faksimileform neu veröffentlichte, können wir nicht ohne Weiteres annehmen, dass Smith der alleinige Autor ist. Viele Briefe in Jessees Sammlung zeigen die Handschrift Smiths parallel verlaufend und vermischt mit der Handschrift anderer Autoren, einschließlich Rigdon und Cowdery. Sogar wenn etwas so Persönliches wie Tagebucheinträge oder Briefe geschrieben wurden, sehen wir übereinstimmende Beweise der Zusammenarbeit und gemeinsamer Urheberschaft. Unglücklicher Weise können solche Schriftstücke nicht als verlässliche Proben von einer bekannten Urheberschaft verwendet werden.18

Zum Zweiten und gleichermaßen problematisch ist Holmes' Verwendung der Lehre und Bündnisse als verlässliches Beispiel von Smiths prophetischer Stimme. Dieser Text von Offenbarungen wird Smith zugeschrieben, aber wie es mit vielen seiner Briefe und Tagebucheintragungen der Fall ist, schrieb er ihn nicht ohne Hilfe. Vielmehr wird berichtet, dass er die Offenbarungen einem seiner Schreiber diktiert hatte. Von 1829 bist 1838 waren zwei seiner Hauptschreiber niemand sonst als Sidney Rigdon und Oliver Cowdery, die gemäß der Spalding-Rigdon-Theorie am Schreiben des Buches Mormon beteiligt waren. In der Tat anerkennt die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (die Mormonenkirche), dass viele Abschnitte der Lehre und Bündnisse Smith und Rigdon oder Smith und Cowdery gemeinsam offenbart wurden.19 Die Ausdrucksweisen einer dieser Männer oder eine Mischung aus ihren Merkmalen könnte die 'prophetische Stimme' sein, die Holmes Smith zuschreibt. Dass Holmes Ähnlichkeiten zwischen der 'prophetischen' Stimme der Lehre und Bündnisse und des Buches Mormon findet, ist deshalb der beste Beweis für eine gemeinsame Urheberschaft beider Texte, aber es beweist in keiner Weise, dass Smiths 'Stimme' (göttlich inspiriert oder anderweitig) irgendwo zu finden ist.20

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