ARCHÄOLOGIE

Archäologie und das Buch Mormon

Kapitel 6

aus "Mormonism - Shadow or Reality?" von Jerald und Sandra Tanner

(übersetzt von Manfred Trzoska)

Einige Mitglieder der Mormonenkirche haben fantastische Behauptungen über Archäologen aufgestellt, die das Buch Mormon benutzen. Zum Beispiel sind wir informiert, dass ein Brief, der an Earnest L. English am 3. Mai 1936 geschrieben, vervielfältigt und „1959 an die HLT-Kirchenmitglieder von (örtlichen) Führern in Cleveland, Ohio, verteilt wurde“. Wir zitieren folgendes aus diesem Brief:

„Die Anfrage, die Sie in Bezug auf das Buch Mormon stellten, ist lobenswert und ich freue mich, die Rolle, die es dabei spielte, der Regierung zu helfen, das Problem der Ureinwohner zu enträtseln, zu erwähnen.

James H. Fairchilds, ein New Yorker Redakteur, machte das Smithsonian Institiut auf das Buch Mormon aufmerksam. Zuerst wurde der Bericht nicht ernst genommen… Es wurde anerkannt, weil es viele exzellente, philosophische Behauptungen enthielt, aber es wurde offensichtlich bis 1884 nicht als von irgendeinem historischen Wert angesehen… erst 1920 ANERKANNTE das Smithsonian-Institut OFFIZIELL das Buch Mormon als ein Bericht von gewissem Wert. ALLE Entdeckungen bis zu dieser Zeit fand man in Übereinstimmung mit den Buch Mormon-Berichten und somit entschieden die Leiter der Archäologischen Abteilung, einige Bemühungen zu unternehmen, einige der größeren Städte zu entdecken, die im Buch Mormon beschrieben werden.

Alle Mitglieder der Abteilung wurden GEBETEN, DEN BERICHT ZU STUDIEREN und sie legten grobe Karten der verschiedenen bevölkerten Zentren an. Als ich die Bibliothek des Smitsonian-Instituts 1933 besuchte, bemerkte ich, dass dort über dreißig Exemplare des Buches Mormon gelagert waren. Während der vergangenen fünfzehn Jahre hat das Institut eine bemerkenswerte Studie seiner Untersuchungen der mexikanischen Indianer vorgenommen und es ist wahr, dass das Buch Mormon DER FÜHRER ZU FAST ALLEN der großen Entdeckungen gewesen ist.

Als Col. Lindbergh vor fünf Jahren nach Südamerika flog, war er in der Lage bis jetzt unentdeckte Städte zu sichten, die die Archäologen am Institut gemäß den Orten auskartiert hatten, die im Buch Mormon beschrieben werden. Dieser Bericht wird jetzt von den Mitgliedern des Instituts als eine Autorität zitiert und wird von ALLEN FORTGESCHRITTENEN STUDENTEN IM FELD anerkannt.

Wegen vieler falscher Aussagen, so wie die oben zitierte, ist das Smithsonian-Institut gezwungen gewesen, eine Erklärung in Bezug auf diese Angelegenheiten herauszubringen (siehe Ablichtung [bzw. die Übersetzung] dieser Erklärung unten). In dieser Erklärung finden wir folgendes: “Das Smithsonian-Institut hat NIE das Buch Mormon IN IRGENDEINER Weise als einen wissenschaftlichen Führer benutzt. Smithsonian-Archäologen sehen KEINE VERBINDUNG zwischen der Archäologie der Neuen Welt und dem Thema des Buches.

SMITHSONIAN ISTITUTION

Office of Anthropology

Washington, D. C. 20560

Das Smithsonian-Institut hat in den letzten Jahren Hunderte von Anfragen in Bezug auf den Gebrauch des Buches Mormon als Führer für archäologische Forschungen erhalten. Die Antworten auf die Fragen, die am häufigsten gestellt werden, sind die folgenden:

1. Das Smithsonian-Institut hat nie das Buch Mormon in irgendeiner Weise als wissenschaftlichen Führer benutzt. Smithsonian-Archäologen sehen zwischen der Archäologie der Neuen Welt und dem Thema des Buches Mormon keine Verbindung.

2. Der physische Typus des amerikanischen Indianers ist grundlegend mongoloid und mit denen der Völker des östlichen, zentralen und nordöstlichen Asien nahe verwandt. Archäologische Beweise zeigen, dass die Vorfahren der heutigen Indianer wahrscheinlich über eine Landbrücke, die bekannterweise in der Region der Behringstraße während der Eiszeit existiert hatte, und in aufeinander folgenden Serien kleiner Wanderungen beginnend vor ungefähr 30.000 Jahren in die Neue Welt kamen.

3. Heutige Beweise weisen darauf hin, dass die ersten Menschen, die diesen Kontinent von Osten her erreichten, die Norwegier waren, die im nordöstlichen Teil Nordamerikas um ca. 1000 n. Chr. ankamen. Es gibt nichts, dass zeigt, dass sie Mexiko oder Zentralamerika erreichten.

4. Es gibt zunehmende Beweise der Ausbreitung kultureller Wesenszüge nach Mittelamerika und der Nordwestküste Südamerikas über den Pazifik etliche Tausend Jahre vor der christlichen Ära. Dies scheint aber das Ergebnis zufälliger Reisen zu sein, die ihren Ursprung in Ost- und Südasien haben, und sie zeigen keine Verwandtschaft zu ägyptischen oder hebräischen Kulturen.

5. Wir kennen keine zuverlässigen Fälle von ägyptischer oder hebräischer Schrift, die in der Neuen Welt gefunden worden wäre. Berichte über Fundstücke ägyptischen Einflusses in mexikanischen und mittelamerikanischen Gebieten sind in Zeitungen und Magazinen von Zeit zu Zeit veröffentlicht worden, aber bislang ist kein achtbarer Ägyptologe in der Lage gewesen, irgendeine Beziehung zwischen mexikanischen Überresten und denen in Ägypten zu entdecken.

6. Es gibt zwei Exemplare des Buches Mormon (und ein Teil eines dritten) im Staatlichen Museum der Vereinigten Staaten und ein weiteres Exemplar wurde zur Bibliothek des Kongresses des Smithsonian-Instituts zur Aufbewahrung geschickt. Zwei von ihnen waren Geschenke und eines wurde durch eine weitere Regierungsagentur übergeben. Ein oder zwei Mitglieder des Personals haben eigene Exemplare, die ihnen von Mormonen überreicht wurden.

SIL-76

rev. 5/65

Vorgeschlagener Lesestoff

Coe, Michael D.

1962. Mexico, 245 Seiten, 75 pls., 32 Abb., 8 Karten, 1 Tabelle. Frederick A. Praeger, New York (Ancient Peoples and Places Series, Bd. 29)

Jennings, Jesse D. und Norbeck, Edward.

1963. Prehistoric Man in the New World. 633 S., illustr., University of Chicago Press, Chicago. (Der neueste und gründlichste Überblick über die Neue-Welt-Archäologie, von führenden amerikanischen Archäologen geschrieben.)

Ferguson, Thomas S.

1958. One Fold and One Shepherd, 1000 (?) S., illustr. Bücher Kaliforniens, San Francisco. (Ein Buch, das den mormonischen Standpunkt darstellt.)

Hunter, Milton R. und Ferguson, Thomas S.

1950. Ancient America and the Book of Mormon. 450 S., 53 Abb., Kolob Book Co., Oakland, California. (Ein weiteres Buch, das den mormonischen Standpunkt darstellt.)

MacGowan, Kenneth und Hester, Joseph A. Jun.

1962. Early Man in the World, rev. Ausg., 333 S., illustr., Anchor Books, Doubleday & Co., Garden City, New Jersey. (Die Natural-History-Bibliothek) (Guter allgemeiner Lesestoff; liefert auch ein Hintergrundwissen über die Alte Welt.)

Morley, Sylvanus G.

1956. The ancient Maya. 494 S., 102 pls., 57 Abb. (3. rev. Ausg., rev. von George W. Brainerd), Stanford University Press, California (Maya-Geschichte: Ursprung ihrer Zivilisation, ihr Aufgang, erstes Erblühen, erster Verfall, Renaissance und endgültiger Niedergang, Spanische Eroberung.)

Thompson, J. Eric

1954. The rise and fall of Maya civilization. 287 S., 24 pl., 20 Abb., Karte. University of Oklahoma Press, Norman. (Ein wichtiger Bericht über die Maya-Zivilisation basierend auf archäologischen Entdeckungen)

Frank H. H. Roberts Jun. vom Smithsonian-Institut erörterte weiter das Thema in einem Brief vom 16. Februar 1951:

„In Beantwortung Ihres Briefes vom 11. Februar 1951 erlauben Sie mir zu sagen, dass die FEHLVORSTELLUNG, dass das Buch Mormon von wissenschaftlichen Organisationen benutz worden sei, um archäologische Forschungen zu leiten, in den letzten Jahren ziemlich im Umlauf war. Es kann definitiv erklärt werden, dass es keine Verbindung zwischen der Archäologie der Neuen Welt und dem Thema des Buches Mormon gibt.

Es gibt in keiner Weise eine Übereinstimmung zwischen den archäologischen Plätzen und Kulturen, wie sie von wissenschaftlichen Untersuchungen offen gelegt wurden und dem, was im Buch Mormon berichtet wird, daher kann das Buch Mormon nicht als historisch wertvoll vom Standpunkt der Ureinwohner der Neuen Welt angesehen werden.

Das Smithsonian-Institut hat das Buch Mormon offiziell nie als einen Bericht von Wert für die wissenschaftliche Sache anerkannt und das Buch ist nie als Führer oder Informationsquelle für die Entdeckung von zerstörten Städten benutzt worden. (Brief vom 16. Februar 1951, fotographisch in The Book of Mormon Examined, von Arthur Budvarson, La Mesa, California, 1959, S. 37 reproduziert)

In einem Brief an Marvin Cowan erklärte Frank H. H. Roberts: „Es gibt überhaupt keinen Beweis, dass es je eine Einwanderung von Israel nach Amerika gegeben hätte, und ebenso gibt es keinen Beweis, dass präkolumbianische Indianer irgendeine Kenntnis vom Christentum oder von der Bibel hatten.“ (Brief vom 24 Januar 1963)

Die Archäologische Gesellschaft an der Brigham-Young-Universität veröffentlichte folgende Kommentare in Bezug auf die Erklärung des Smithsonian-Instituts: „So weit wir uns erinnern können und vielleicht noch lange vor dieser Zeit ist unter nichtinformierten Heiligen der Letzten Tage in Umlauf gebracht worden, dass irgendeine bedeutsame Nicht-HLT-Forschungsorganisation ‚hinten im Osten’ das Buch Mormon als Führer bei ihrer archäologischen Feldarbeit benutzt hat. Wenn aber die Frage aufkommt, zu beurteilen, welche Institution darin verwickelt ist, so scheint niemand sie ausfindig machen zu können, obwohl das Smithsonian-Institut von Washington manchmal als eine Möglichkeit erwähnt wird. Eine kurze Untersuchung dieser außergewöhnlichen Behauptung wird einige der Schwierigkeiten, die sie mit sich bringt, ans Licht bringen. An erster Stelle ist das Buch, in der heutigen Form, KEIN angemessener ‚Führer’ für archäologische Feldarbeit: Die antiken Autoren scheinen die Probleme der geographischen Identifizierung NICHT im Sinn gehabt zu haben, denen sich die modernen Archäologen gegenüber sehen… Es ist noch keine verlässliche Rekonstruktion des Buches Mormon veröffentlich worden, die wenigstens die ungefähren Standorte seiner Hauptstädte zeigt. Wenn die Heiligen der Letzten Tage selbst diese Aufgabe NICHT zustande gebracht haben, wie kann von Smithsonian oder irgendwelchen anderen Nicht-HLT-Archäologen erwartet werden, das Buch Mormon als Führer in der Feldarbeit zu verwenden?

In einem Wort, wir glauben, dass diese Behauptung FALSCH ist

Da trotzdem viele Anfragen zu diesem Thema an das Smithsonian-Institut gesandt worden sind, ist folgende gedruckte Erklärung verwendet worden… um mit der Beantwortung von Briefen keine Zeit zu verschwenden:… [eine Kopie der Erklärung folgt]

…unsere Gründe, die Heiligen der Letzten Tage zu drängen, vom Schreiben an das Smithsonian in Bezug auf dieses Thema abzulassen, mögen sich von denen des Instituts selbst unterscheiden. Es geht einfach darum, dass diese Organisation… nicht dafür da ist, sich mit Problemen dieser Art zu beschäftigen. Ihre Gelehrten scheinen keine besondere Kenntnis über den tatsächlichen Inhalt des Buches Mormon zu haben, auch haben sie in der Tat keine besondere Kompetenz in der Methodik der historischen Archäologie… sie scheinen kein INTERESSE daran zu haben, die Behauptungen einer solch besonderen Schrift wie das Buch Mormon zu untersuchen,… es ist unwahrscheinlich, dass sie angemessene Antworten auf Anfragen zu diesem Thema geben können.

Wir würden eher vorschlagen, diese Fragen… an die University Archaeological Society zu richten, eine Organisation, die dazu geschaffen wurde, den Heiligen der Letzten Tage genau auf diesem Feld zu helfen.“ (University Archaeological Society Newsletter, Brigham Young University, 16. April 1965, S. 5-7)

George Crossette vom National Geographic Magazine hat folgende Erklärung in Bezug auf die Idee abgegeben, dass das Buch Mormon von Archäologen benutzt wird: „Die National Geographic Society ist mehrere Male gefragt worden, ob das Buch Mormon durch archäologische Funde bestätigt worden ist. Wir haben diese Frage an Dr. Neil M. Judd, einen bekannten Archäologen am Smithsonian Institut weitergeleitet. Seine Antwort folgt:

Weder Repräsentanten der National Geographic Society noch, so weit ich es weiß, Ärchäologen, die mit irgendeinem anderen Institut mit ähnlichem Ruf verknüpft sind, haben je das Buch Mormon bei der Ausfindigmachung von historischen Ruinen in Mittelamerika oder sonst wo benutzt.“

(Brief vom 21. Oktober 1965)

In seiner Broschüre Archeology and the Book of Mormon, gibt uns Hal Hougey folgende Information:

“Die zahlreichen Bücher und Artikel von Heiligen der Letzten Tage über die Jahre haben gezeigt, dass Mormonen glauben, dass die Früchte der archäologischen Forschung tatsächlich dazu gedient haben, die Wahrheit des Buches Mormon zu bestätigen. Dr. Ross T. Christensen, ein Mormonenanthropologe, stimmt in folgenden Zitaten aus dem Newsletter of the University Archaelogical Society überein, die ihren Hauptsitz an der Brigham-Young-Universität in Provo, Utah, hat:

‚…dass Buch Mormon steht in einer solchen Schlüsselposition in Bezug auf die Religion der Heiligen der Letzten Tage als Ganzes, dass die gesamte Struktur der Letzteren mit der Verifizierung oder Widerlegung des Ersteren stehen oder fallen muss; und schließlich ist das Buch Mormon derart, dass seine Stichhaltigkeit einer gründlichen und objektiven wissenschaftlichen Prüfungen unterzogen werden kann.’ (U. A. S. Newsletter, Nr. 64, 30. Januar 1960, S. 5-6)

…die Heiligen der Letzten Tage haben sich erst vor kurzem ernsthaft auf das Feld der Anthropologie begeben,… Erst 1938 verdiente sich der erste Heilige der Letzten Tage einen Doktortitel in Anthropologie (M. Wells Jakeman an der University of California). 1946 wurde eine Abteilung für Archäologie an der Brigham-Young-Universität gegründet. Diese Abteilung ‚wurde insbesondere Forschungen im Zusammenhang mit den Schriften gewidmet, auf die die Heiligen der Letzten Tage ihren Glauben gegründet haben.’ (Ebenda, S. 1,2)

…Während es heute weniger Heilige der Letzten Tage mit Doktortiteln in Anthropologie gibt als Finger an einer Hand, haben diese wenigen dafür gesorgt, die extravaganten Behauptungen zu beschneiden, die Mormonenmissionare aufgestellt haben…

Wenn Mormonenmissionare ihre extravaganten Behauptungen über die amerikanische Archäologie aufstellen, dass sie das Buch Mormon beweise, brauchen wir sie nur auf folgende Aussagen ihrer eigenen Anthropologen zu verweisen:

‚Die Aussage, dass das Buch Mormon schon durch Archäologie bewiesen sei, ist irreführend. Die Wahrheit ist, dass wir gerade erst damit beginnen, einen Überblick über die archäologische Zeiträume zu bekommen, die man mit denen des Buches Mormon vergleichen könnte. Wie kann dann die Sache schon ein für alle Mal geklärt sein? Dass solch eine Idee existieren konnte, weist auf eine Ignoranz vieler unserer Leute in Bezug auf das hin, was in den historischen und anthropologischen Wissenschaften vor sich geht.’ (Christensen in U. A. S. Newsletter, Nr. 64, 30. Januar 1960, S. 3)

‚Viele Male haben Mormonenmissionare ihren Untersuchern erzählt, dass solche spätperiodischen Ruinen wie Monte Alban (Periode III-IV). Yagul und Mitla von den Nephiten erbaut wurden und dass die Archäologen dies bestätigen würden. Beide Behauptungen sind unwahr. Die frühesten Perioden des Gebietes, Monte Alban I. und II., obwohl noch wenig bekannt, sind aber Präklassik (d. h. Buch-Mormon-Periode). Man könnte an diese früheren Völker wie Jarediten oder Nephiten denken, aber wenn es so wäre, dann nur auf Grundlage von Glauben und nicht von Archäologie, denn so weit gibt es keinen ausdrücklichen Beweis, dass die Buch-Mormon-Völker dieses Gebiet [Oaxaca, in der Landenge des Tehuantepec-Gebiets von Mexiko] bewohnten.’ (Joseph E. Vincent in U. A. S. Newsletter, Nr. 66, 7. Mai 1960, S. 2)

…Christensen beschimpft seine Brüder mit folgender Bemerkung:

Wegen der Ansicht, dass das Buch Mormon durch die Archäologie schon bewiesen worden sei, muss ich mit Shakespeare sagen: ‚Legt nicht diese schmeichlerische Ölung auf eure Seele!’ (Hamlet III:4). (U. A. S. Newsletter, Nr. 64, 30. Januar 1960, S. 3)

Was ist mit dieser Mormonenbehauptung, dass Nichtmormonen das Buch Mormon als Führer beim Auffinden der Ruinen der Städte in Zentralamerika hilfreich gefunden haben? M. Wells Jakeman, Mormonenanthropologe, beantwortet diese Frage:

‚Man muss gestehen, dass einige Mitglieder der ‚Mormonen’ oder der Kirche der Heiligen der Letzten Tage in ihrer Begeisterung für das Buch Mormon geneigt sind, Behauptungen darüber aufzustellen, die nicht unterstützt werden können. So weit es dem Schreiber bekannt ist, benutzt gegenwärtig kein nichtmormonischer Archäologe das Buch Mormon als Führer bei der archäologischen Forschung. Auch weiß er von keinem nichtmormonischen Archäologen, der die amerikanischen Indianer für Nachkommen der Juden hält oder glaubt, dass das Christentum im ersten Jahrhundert unseres Zeitalters in Amerika bekannt war. Dies an sich widerlegt natürlich nicht das Buch Mormon; denn man weiß noch nicht genug über die eigentliche Zeitperiode dieses Berichts im alten Amerika oder über den Ursprung der amerikanischen Indianer, um diese Zeit endgültig zu beurteilen, allgemein gesprochen. (Ebenda, Nr. 57, 25. März 1959, S. 4)

‚Mit Ausnahme der Archäologen der Heiligen der Letzten Tage nehmen sich Mitglieder des archäologischen Berufszweigs des Buches Mormon nicht an und haben es nicht getan, und zwar in jeder Hinsicht, der ich mir bewusst bin. Nichtmormonische Archäologen gestatten dem Buch Mormon überhaupt keinen Raum bei der Rekonstruktion der frühen Geschichte der Neuen Welt.’ (Christensen in U. A. S. Newsletter, Nr. 64, 30. Januar 1960, S. 3)

Wir kommen deshalb zum Schluss, dass das Buch Mormon von der Archäologie vollkommen unbestätigt bleibt. Die Behauptungen, die Mormonenmissionare aufgestellt haben sind irreführend. Viele ehrliche und gewissenhafte Menschen, die kein Hintergrundwissen und keine Ausbildung auf dem Feld der Archäologie haben, sind zum Mormonismus zumindest teilweise wegen ihrer falschen Überzeugung bekehrt worden, dass amerikanische Archäologie den Buch-Mormon-Bericht bestätigt hätte.“ (Archeology and the Book of Mormon, von Hal Hougey, Concord, Calif., S. 3-7)

John L. Sorenson, ein mormonischer Archäologe, der assistierender Professor der Anthropologie und Soziologie an der BYU war, machte folgende Bemerkungen in Bezug auf einige Mormonenbücher über Archäologie und das Buch Mormon:

„Verschiedene Personen, die mit diesen institutionalisierten Aktivitäten nicht verbunden sind, haben ebenfalls mit dem archäologischen Problem gerungen. Einige der Schriften, die sie hervorgebracht haben, sind in archäologischer Hinsicht aufrichtig. Einige bewegen sich deutlich am Rande der Glaubwürdigkeit; andere haben glaubwürdige Qualifikationen. Zwei der profiliertesten sind Professor Hugh Nibley und Milton R. Hunter; sie sind aber nicht qualifiziert, um mit dem archäologischen Material umzugehen, das sie oft in ihre Arbeiten einbeziehen.

…So lange wie Mormonen im Allgemeinen bereit sind, sich von den Nichtinformierten, den unkritischen Faseleien über Archäologie und die „Heiligen Schriften“, die Vorrang haben, an der Nase herumführen zu lassen (und dafür zu bezahlen), widerstreben sich die wenigen HLT-Experten, sich mit dem Thema identifizieren zu lassen.“ (Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Frühjahr 1966, S. 145 und 149)

In einem Papier, das auf dem „Dreizehnten alljährlichen Symposium über Archäologie und die Heiligen Schriften“ am 1. April 1961 an der Brigham-Young-Universität präsentiert wurde, machte Clark C. Knowlton folgende Bemerkungen:

„Unglücklicherweise hat es vielen von unseren mormonischen Forschern an der nötigen Ausbildung in archäologischen Techniken und Datenanalysen gemangelt, um das archäologische Material, das sie benutzten, richtig bewerten zu können. Andere, die in archäologischer Literatur nicht gut belesen waren, machten ziemlich ernsthafte Fehler in der Auslegung und Analyse, die man hätte vermeiden können, wenn die Schreiber mit den Schriften moderner amerikanischer Archäologen vertrauter gewesen wären. Diese Ignoranz gegenüber Geschichte, Theorie, Techniken und grundlegende Schlussfolgerungen zur amerikanischen Archäologie hat viele unserer Schreiber veranlasst, in intellektuelle Fallgruben zu fallen. Die wenigen Beispiele, die jetzt folgen, sind bezeichnend für viele, die es gibt.

Etliche Schreiber sind sehr weit gegangen und haben Listen von Wörtern zusammengebastelt, die verschiedenen indianischen Sprachen entnommen wurden. Sie haben diese Wortlisten mit ähnlichen Listen in der hebräischen Sprache verglichen. An Hand eines Vergleiches dieser Wortlisten haben sie gehofft eine bestimmte Verwandtschaft zwischen Hebräisch und indianischen Sprachen zu finden. Indianische Sprachen unterscheiden sich aber enorm in Bezug auf grammatische Strukturen und Lautsysteme wie auch im Vokabular. Die Sache der Verwandtschaften zwischen ihnen ist immer noch das Thema erheblicher Debatten und Meinungsverschiedenheiten. Durch sorgfältige Wortauswahl aus einer Gruppe von indianischen Sprachen, die man zufällig auswählt, ist es möglich, Wortlisten zu vergleichen, die ähnlichen Listen von fast jeder europäischen oder asiatischen Sprache ähneln könnten. Solche Wortlisten sind wenig wert und beweisen nichts, es sei denn man macht einen gründlichen linguistischen Vergleich der grammatischen Struktur, der Lautsysteme, des Vokabulars und bezieht die Möglichkeit eines historischen Kontakts der beiden Sprachen in den Vergleich mit ein.

Die Veröffentlichung von gewaltigen Bänden und Fotographien der Ruinen der Gebäude und Städte, die man im Gebiet hoher Zivilisationen in Amerika ausfindig gemacht hat, ist ein weiteres Beispiel. Diese verschwenderisch illustrierten Bücher werden ständig im Bestreben geschrieben und veröffentlicht, um zu beweisen, dass komplexe Zivilisationen in der Buch-Mormon-Periode existierten. Unglücklicherweise stellen ihre Fotographien meistenteils Gebäude dar, die gebaut worden sind, nachdem die Buch-Mormon-Periode beendet war. Sie können somit wenig zum Problem der kulturellen Charakteristika der Buch-Mormon-Völker beitragen.

Es gibt auch die menschliche Neigung aus lauter Eifer für seinen Glauben, komplexe Theorien über den Ursprung, die kulturellen Verwandtschaften, die Wanderrouten, die Gebiete der Ankunft in Amerika und die Orte der Zivilisationen, die im Buch Mormon erwähnt werden, aufzustellen. Es gibt immer noch nicht genug Beweise aus vergangenen oder gegenwärtigen archäologischen Arbeiten, um viele Theorien auf diesem Gebiet fest zu untermauern. Bevor vieles in dieser Richtung getan werden kann, müssen in die Gebiete der möglichen Buch-Mormon-Ansiedlungen viele gut ausgerüstete und mit Personal besetzte archäologische Expeditionen geschickt werden.

Und schließlich gibt es eine Neigung, sich nur die Schreiber oder Autoren zunutze zu machen, deren Ansichten unsere eigenen stützen, und vollständig diejenigen zu ignorieren, die von unseren abweichen. So wie viele Gelehrte im neunzehnten Jahrhundert über die möglichen Verbindungen der Zehn Stämme Israels mit den amerikanischen Indianern spekulierten und Beweise aussuchten, die solche Beziehungen unterstützten, werden ihre Schriften im Übermaß von einigen unserer Schreiber benutzt. Die Schriften der Mehrheit der modernen Archäologen, die die gegenwärtige Möglichkeit solcher Verbindungen nicht akzeptieren, werden ignoriert. In etlichen Büchern der letzten Zeit, von Mormonenschreibern geschrieben, zitierten die Archäologen und Autoritäten alle, die vor 1920 lebten. Keiner, der in den letzten Jahren arbeitete, werden erwähnt. Es ist als hätte die Archäologie 1930 aufgehört zu existieren.

Wegen dieser Faktoren, finden es Bücher und Artikel, die von Mormonen über Archäologie Amerikas geschrieben oder über die Beziehungen archäologischer Entdeckungen zu den Problemen des Buches Mormon wurden, schwierig, eine unvoreingenommene Analyse von nichtmormonischen Gelehrten anzunehmen. Es gibt unglücklicherweise Vorurteile im Feld gegen die Archäologie von Mitgliedern unserer Kirche, da allzu oft solche Werke nichtgestützte Spekulationen, Wunschdenken und Theorien enthielten, die auf schwache Beweise ruhten.

Den Problemen, die durch den Mangel an Kenntnis unter unserem Volk über grundlegende Theorien, Techniken, Schlussfolgerungen und Praktiken der amerikanischen Archäologie geschaffen wurden, kann nur durch die Entwicklung einer Gruppe von Männern Abhilfe geschaffen werden, die sowohl ausgebildete Archäologen als auch treue Mitglieder der Kirche sind…

Eine weitere Schwäche, die die Bildung eines echten Studienfeldes für die Studie der Buch-Mormon-Archäologie beeinträchtigt, ist die Neigung vieler Mormonengelehrter und Studenten auf dem Feld der Buch-Mormon-Archäologie, sich in Konflikt befindende Schulen der Gedanken aufzuteilen. Diese wetteifernden Schulen unter uns sind durch professionelle Fehden, akademische Eifersüchteleien, personelle Konflikte und Kontrollmanöver über Veröffentlichungen charakterisiert.“ (Papers of the Thirteenth Annual Symposium on the Archaeology der Heiligen Schriften, S. 53-54)

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