Betrügerische Inschriften

Betrügerische Inschriften

 

Einige Mormonenarchäologen scheinen in Bezug auf angebliche Entdeckungen Vorsicht walten zu lassen. Welby W. Ricks, der Präsident der University Archaeological Society an der BYU war, erzählte folgendes:

 

„Viele Anfragen sind von Zeit zu Zeit an mich wegen Information über bestimmte Inschriften auf Stein gerichtet worden, die man in der Nähe von Los Lunas, New Mexico, fand, in denen Auszüge aus den Zehn Geboten in einer phönizischen Schrift enthalten waren, deren Schrifttyp in Palästina während der Tage Lehis um 600 v. Chr. herum existierte. Solch eine Schrift auf einem Stein in der Neuen Welt zu finden, ist in der Tat interessant, aber nach einer Übersetzung, dass sie die Zehn Gebote enthalten, scheint es fast unglaublich.

Heiligen der Letzten Tage würde solch eine Entdeckung als Übereinstimmung mit dem Buch Mormon erscheinen. Aber solch einen Beweis auf den ersten Eindruck hin anzunehmen, d. h. ohne Untersuchung, könnte für diese Gesellschaft wie auch für die Heiligen der Letzten Tage peinlich sein, besonders wenn es sich später als Fälschung erweist. Wegen der Position der Kirche müssen wir jede Vorsichtsmaßnahme ergreifen, ja sogar mehr als jede objektive Gelehrtenschaft, wenn möglich, um sicher zu gehen, dass irgendeine angebliche hebräische (oder phönizische) Schrift, die in der Neuen Welt gefunden wird, echt ist…

Im Oktober 1953 kam eine Gruppe von uns – Dr. Milton R. Hunter, Dr. Sidney B. Sperry, Dr. Hugh Nibley, Mr. (jetzt Dr.) John L. Sorenson und ich – zusammen und unternahmen eine Reise nach New Mexico, um die Inschrift zu untersuchen.“ (Fifteenth Annual Symposium on the Archaeology of the Scriptures, BYU, 1964, S. 94)

 

Welby W. Ricks erzählt von ihrer Untersuchung der angeblichen Inschrift (siehe Archaeology and the Book of Mormon, S. 19-20) und kommt zu folgendem Schluss:

 

„Abschließend würde ich gern die Beweise auflisten, die mich glauben lassen, dass die Inschrift gefälscht ist:

(1)                          Die Schriftzeichen auf dem Stein waren zu frisch. Sie hatten keinerlei Patina. Wenn sie antiken Datums wären, dann hätte es etwas Patina geben müssen und sicher hätte es ein wenig in diesen Inschriften oben auf dem Plateau geben müssen. Man könnte argumentieren, dass der Zehn-Gebote-Stein Jahrhunderte lang von Sand bedeckt gewesen ist, aber die phönizischen Inschriften oben müssen sicher in Bezug stehen zu den unteren. Sie sind auch ohne Patina.

(2)                          Die Entdeckung der Wörter ‚Eva und Hobie, 3-13-30’ nahe bei, die in derselben Größe, Tiefe und Frische eingraviert sind, ist ausreichend, um Misstrauen über die Herkunft der phönizischen Inschrift zu schaffen.

(3)                          Die Entdeckung von Staub frisch ausgekratzten Gesteins, der immer noch in den Rillen lag, lässt sehr junge Herkunft vermuten.

(4)                          Die Herstellung einer Inschrift durch die McCarts in phönizischen Schriftzeichen auf jedem von zwei Steinen, um die Patina zu testen, erscheint in der Tat merkwürdig.

(5)                          Das offensichtliche Lügen über den Fund einer weiteren Inschrift ‚Tempel Tonis’, die Entdeckung eines Eingangs zu einer bestimmten Zeit und nicht zu einer anderen, die Entdeckung von Gold im Tempel, ohne etwas herauszuholen, um es zu beweisen, und über allem, nicht in der Lage zu sein, es wieder zu finden – all dies ist fantastisch und jenseits der Grenzen des menschlichen Auffassungsvermögens.

(6)                          Das Zugeständnis von Bill McCart, dass sie dies täten, um Geld zu bekommen, um die Suche eines Schatzes im Malpais (Lava-Reste)-Gebiet zu finanzieren, wo angeblich die Möglichkeit bestünde, spanisches Gold zu finden.

Aus diesen und anderen Gründen bin ich vollkommen überzeugt, dass der Zehn-Gebote-Stein, der in der Nähe von Los Lunas, New Mexico, gefunden wurde, EIN SCHWINDEL IST. Sein Alter geht nicht in antike Zeiten zurück. Er ist wahrscheinlich dreißig bis fünfzig Jahre alt, vielleicht sogar vom 13. März 1930.“ (Fifteenth Annual Symposium on the Archaeology of the Scriptures, S. 99-100)

 

Denis Brogan gibt folgende interessante Information in Bezug auf einige “Berichte”, von denen berichtet wird, dass sie in Arizona gefunden wurden: „Meine Lieblingsgeschichte über die Mythologie der amerikanischen Entdeckung war die Entdeckung 1927 in Arizona,… der Berichte von einer römisch-jüdischen Kolonie in der Nähe von Tucson. Die Kolonisten waren Juden, die aus unbekannten Gründen im Jahre 70 aus Jerusalem geflohen waren und in der Sprache ihrer Eroberer ihren Bericht führten. Tourismusagenturen und die Handelskammer Arizonas begrüßten diese Entdeckung. Nach etlichen Monaten schrieb jemand in der New York World und zeigte auf, dass all die lateinischen Zitate in den Inschriften aus dem rosa Abschnitt von Le Petit Larousse stammen.“ (Antiquity, Cambridge, England, März 1968, S. 17-18)

Weitere Information über diese Sache finden Sie in unserem Buch Archaeology and the Book of Mormon, S. 20-21)

 

Der Mormonenarchäologe Ross T. Christensen behauptet, dass die „Menge von Beweisen, die in die Richtung der Bestätigung“ des Buches Mormon „deuten, beeindruckend“ ist, aber er scheint durch den Mangel an Beweisen für „reformiertes Ägyptisch“ und hebräische Schrift verwirrt zu sein:

 

„…der Geist der Vorsicht ist aus dem Grund nötig, dass es eine Reihe von Punkten gibt, wo eine Verbindung [zwischen dem Buch Mormon und der Alten Welt] gefunden worden sein sollte, aber bis heute ist nichts gefunden worden. Es scheint keine völlig angemessene Erklärung für den Mangel an solchen Spuren in der Neuen Welt zu geben, die das Buch Mormon fordert, wie Pflanzen der Alten Welt, geschmolzenes Eisen und nahöstliche Formen der Schrift.“ (Progress in Archaeology, BYU, 1963, S. 147)

 

Welby W. Ricks versucht die Abwesenheit von hebräischer Schrift auf folgende Weise weg zu erklären:

 

„Das Buch Mormon informiert uns, dass eines seiner Völker (die Nephiten) eine Kenntnis von hebräischer Schrift hatte, die zum Schluss des Berichts irgendwie modifiziert worden war. Natürlicherweise folgt daraus, dass Beweise von Hebräisch ähnlicher Schrift im antiken Amerika gefunden werden sollten.

Es ist gut einhundert Jahre her, seit das Buch Mormon veröffentlicht wurde, dennoch sind ziemlich wenig Funde von angeblich hebräischer Schrift berichtet worden. Dies mag zum Teil am Hass der Lamaniten auf die Nephiten liegen. Die Lamaniten könnten viele wertvolle nephitische Berichte beschlagnahmt und vernichtet haben. Oder vielleicht führten nur die Priester und eine kleine gebildete Klasse Berichte.“ (Progress in Archaeology, S. 210)

Wir haben nicht das Gefühl, dass dies eine angemessene Erklärung für den Mangel sowohl an Hebräisch als auch an reformiertem Ägyptisch ist, und wir müssen M. T. Lamb zustimmen, wenn er erklärt:

„Wir haben herausgefunden, dass die gesamte antike Geschichte dieser westlichen Welt deutlich gegen die Behauptung des Buches Mormon gerichtet ist. Mr. Smith hat eine Probe der Schriftzeichen bewahrt, die von ihm gefunden wurden, wie er erklärt, im Hügel Cumorah, und er wollte uns glauben lassen, dass sie antike Schriftzeichen wären, die auf diesem Kontinent vor 1500 Jahren allgemein im Gebrauch gewesen wären; aber eine große Anzahl der wirklichen Schriftzeichen, die zu jener Zeit in Zentralamerika im Gebrauch waren, sind glücklicherweise in unvergänglichem Marmor erhalten geblieben und die Mr. Smiths Schriftzeichen als Schwindel beweisen.“ (The Golden Bibel, S. 319)

 

Während es keinen archäologischen Beweis gibt, um die Vorstellung zu unterstützen, dass hier Nephiten lebten, verschließt es nicht vollständig die Tür zwischen der Alten und der Neuen Welt. Es ist möglich, dass einige Schiffe vor Kolumbus in der Neuen Welt ankamen. Ross T. Christensen behauptet, dass es im Atlantischen Ozean eine Strömung gibt, die ein Schiff hätte „von der Alten Welt über den Atlantik zu den Westindischen Inseln“ abtreiben lassen können. Thor Heyerdahl trieb vor kurzem mit einem Papyrusfloß in die Neue Welt, das nach dem ägyptischen Gott Ra benannt war.

William F. Albright, ein namhafter Archäologe, machte folgende Aussage in einem Brief vom 4. Januar 1971:

 

„Nun würde ich nicht für einen Augenblick zweifeln, dass es unfreiwillige Besucher der Neuen Welt lange vor Kolumbus gegeben hat. Ich bin vollkommen bereit, die gewissen Bewegungen über die Behringstraße und die Aleuten und die jüngst demonstrierte Wahrscheinlichkeit der Herkunft einer einheitlichen ecuadorianischen Töpferware aus dem sehr frühen Japan zu akzeptieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es weitere Besucher Mittel- und Südamerikas von den Pazifischen Inseln her gegeben hat und dass es höchst wahrscheinlich Besucher von Europa und Nordafrika in vielen verschiedenen Zeiträumen gegeben hat. In solchen Dingen macht eine Schwalbe keinen Sommer und es gibt sicherlich keinen Beweis für eine Masseneinwanderung.“ (Brief von William F. Albright vom 4. Januar 1971)

 

Der Mormonengelehrte Carl Hugh Jones erklärt, dass die japanische Töpferware ein „neues Problem“ für die Mormonenarchäologen schaffen könnte: „…es gibt eine Menge an Beweisen, die die Aussage unterstützen, dass es Kontakt zwischen Japan und Ecuador um 3000 v. Chr. gegeben hat… Wenn die professionellen Archäologen nun bereit sind, eine Bootsladung von Japanern die Neue Welt ungefähr zu der Zeit des Entstehens der antiken amerikanischen Zivilisationen erreichen zu lassen, dann könne er auch bereit sein, Bootsladungen von Mesopotamiern und Israeliten zu akzeptieren.

Wenn aber die Jomon und die Buch-Mormon-Völker eine Reise in die Neue Welt überlebten, so würden es wahrscheinlich andere auch. So gibt es nun ein neues Problem, mit dem wir uns auseinander zu setzen haben: Wir müssen die Landungen der Buch-Mormon-Völker von denen anderer identifizieren und abtrennen. Wir können nicht mehr erklären, dass jedes plötzliche Auftauchen von Spuren einer fortgeschrittenen Kultur, wie Töpferware, gänzlich der Ankunft der Jarediten oder Lehiten zugeschrieben werden kann. Somit muss nun das Bild von den Ursprüngen der Neuen Welt, das von Studenten der Archäologie der Heiligen der Letzten Tage aufrecht gehalten wurde – d. h. dass die frühen Jäger und Sammler von Sibirien über die Behringstraße kamen, aber die antiken Zivilisationen sich gänzlich aus den Buch-Mormon-Kolonien entwickelten, die aus dem Nahen Osten in Auswanderungen über den Ozean kamen – modifiziert werden. Wir müssen nun die Wahrscheinlichkeit akzeptieren, dass es andere transozeanische Reisende in die Neue Welt gegeben hatte, die Ideen und Artefakte von anderen fortgeschrittenen Kulturen der Alten Welt mitbrachten…

Für den Heiligen der Letzten Tage macht die Theorie des valdivianisch-jormonischen transpazifischen Kontakts das Problem des Ursprungs der antiken Zivilisationen Amerikas komplizierter, aber gleichzeitig bietet es einen Gültigkeitstest, der dazu benutzt werden kann, die Buch-Mormon-Verbindungen zu bestätigen, wenn sie einst offenbar werden.“ (Newsletter and Proceedings of the S.E.H.A., BYU, 8. Sept. 1969, S. 5-6)

 
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