Warum so wortreich?

Warum so wortreich?

Wenn man die Mühe in Betracht zieht, die Platten herzustellen und sie dann zu gravieren, würde man vom Autor erwarten, ernsthafte Gedanken kurz und bündig auszudrücken und nicht wortreich. Nephis Bruder Jakob klagte:

„...ich kann nur wenige meiner Worte schreiben wegen der Schwierigkeit, die wir haben, unsre Worte auf Platten zu gravieren.“ (Buch Mormon, Jakob 4:1)

Rev. M. T. Lamb bemerkte:

„Wendet man sich an das Neue Testament, was kann deutlicher und einfacher oder schöner ausgedrückt werden als Christi Bergpredigt…

Lesen Sie über Jesu unvergleichliche Rede an seine Jünger am Abend seiner Festnahme und Kreuzigung, wie es im vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Kapitel des Johannes berichtet wird. Jeder Satz trägt den Stempel der Göttlichkeit… Zerlegen Sie diese Rede sorgfältig und finden Sie irgendetwas in den Worten, Phrasen oder Sätzen, das entweder unnötig, unnütz oder töricht ist; finden Sie eine Zeile, die Sie verbessern können,…

‚Euer Herz sei nicht betrübt; glaubt ihr an Gott, glaubt ihr auch an mich.’…

‚Bleibt in mir und ich bleibe in euch.’ usw., usw…

Vielleicht wird dieser Punkt deutlicher, wenn wir einige Proben im Buch Mormon von dem lesen, was angeblich Jesu eigene Worte sein sollen. Das Buch erzählt uns, dass Jesus… hier auf diesem Kontinent erschien… ihnen das Evangelium vom Reich predigte. Ein großer Teil seiner Reden während dieser Periode ist aus der Bergpredigt und aus verschiedenen anderen Auszügen aus den vier Evangelien gemacht. Aber er fügt ein neue Sache hinzu, genug, um zu zeigen, wie gewaltig die Kluft zwischen dem ist, was er hier auf diesem Kontinent sagte und was er im Land Judäa sagte, besonders in dem einen Punkt: Der Umfang…

Die erste Auswahl ist ein einziger Satz, ein ziemlich langer und irgendwie in seiner Konstruktion gemischt, aber trotzdem wird er als tatsachlich Rede von den Lippen dessen berichtet, der sprach wie nie ein Mensch sprach. [3. Nephi 21:2-7]

‘Seht, dies gebe ich euch zum Zeichen – denn wahrlich, ich sage euch, wenn diese Dinge, die ich euch verkündige und später über mich selbst kundtun werde und die den Nichtjuden durch die Macht des Heiligen Geistes kundgetan werden, den euch der Vater geben wird, damit sie von diesem Volk, einem Überrest des Hauses Jakob, wissen können und von diesem meinem Volk, das von ihnen zerstreut werden soll, wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn der Vater ihnen diese Dinge offenbart und sie durch den Vater von ihnen zu euch gelangen – denn es ist der Weisheit des Vaters gemäß, dass sie sich in diesem Land niederlassen und durch die Macht des Vaters als ein freies Volk bestehen sollen, damit diese Dinge von ihnen zu einem Überrest eurer Nachkommen gelangen können, damit der Bund des Vaters erfüllt werde, den er mit seinem Volk, o Haus Israel, gemacht hat – wenn daher diese Werke und die Werke, die später unter euch vollbracht werden, von den Nichtjuden zu euern Nachkommen gelangen, die der Sünde halber in Unglauben versinken werden – denn so geziemt es dem Vater, dass sie von den Nichtjuden ausgehen sollen, damit er den Nichtjuden seine Macht zeige, damit sie, wenn sie ihr Herz nicht verhärten, Buße tun, zu mir kommen, in meinem Namen getauft werden und die wahren Grundsätze meiner Lehre kennen können, damit sie zu meinem Volke, o Haus Israel, gezählt werden können. Und wenn das geschieht und dein Same anfängt, diese Dinge zu wissen -  dann wird es ihnen ein Zeichen sein, und dann können sie wissen, dass das Werk des Vaters zur Erfüllung des Bundes schon begonnen hat, den er mit dem Haus Israel gemacht hat.’

Dieser Satz enthält über 340 Wörter. Die Wörter „that“ und „which“ werden zwanzigmal wiederholt; die Wörter „I“, „my“ und „me“ elfmal; das Wort „Father“ achtmal; „Gentiles“ fünfmal; der Ausdruck „shall come forth“ viermal. Dies alles in einem Satz. Ein sicher sehr bemerkenswerter Satz.“ (The Golden Bible, or The Book of Mormon. Is It From God?, von M. T. Lamb, 1887, S. 44-47)

Diesen Wortschwall beobachtet man durch das ganze Buch Mormon hindurch. Ein weiteres Beispiel ist 4. Nephi 1:6:

“So verging das achtunddreißigste, das neununddreißigste, das vierzigste, das einundvierzigste und das zweiundvierzigste Jahr; ja, neunundvierzig Jahre vergingen, und auch das fünfzigste, das einundfünfzigste und das zweiundfünfzigste; ja, neunundfünfzig Jahre vergingen.“

Wäre ein Autor so langatmig, während er sich damit herumquält, auf Metall zu gravieren? Wenn es so schwierig war, den Bericht einzugravieren, wie Nephis Bruder Jakob klagte, warum sagte der Autor nicht einfach „Neunundfünfzig Jahre waren vergangen“?

Der Überfluss im Buch Mormon hat sogar einen Mormonen dazu geführt, eine moderne englische Version zum leichteren Lesen vorzuschlagen. Zum Beispiel lautet Mosiah 18:30:

„Und es begab sich, dass all das in Mormon geschah, bei den Gewässern Mormons; ja, der Platz Mormon, die Gewässer Mormons, der Wald Mormons, wie schön sind sie in den Augen derer, die dort zur Erkenntnis ihres Erlösers gelangten; ja, und wie sind diese gesegnet, denn sie werden ihm ewiglich lobsingen.“

Der HLT-Autor Timothy Wilson schlug folgende Verdichtung vor:

Mosiah 18:30 All dies geschah im Wald nahe der Gewässer Mormons, ein wunderschöner Ort für diejenigen, die dort ihren Erlöser fanden. Wie gesegnet sind sie, denn sie werden Ihm ewiglich lobsingen. ("Translating 'Book of Mormon' to Modern English Brings Complexity, Controversy to Wordsmiths," Salt Lake Tribune, 28. Nov. 1992, S. D1).

Beispiele von solchen weitläufigen Sätzen kann man im ganzen Buch finden. Wenden wir uns den Worten Mormons zu, die von dem Mann zusammengestellt wurden, der „eine Abkürzung von den Platten Nephis bis zur Regierung dieses Königs Benjamin“ anfertigte. Man könnte denken, das jemand, der so viel Zeit damit verbracht hatte, den Bericht zu verdichten, sorgsam darauf achten würde, kurz und bündig zu kommentieren. Hier ist ein Beispiel von einem seiner längeren Sätze:

 

Während man lange Passagen in der Bibel finden kann, kämpften die Autoren nicht mit dem Eingravieren auf Metall.

Neben dem allgemeinen Wortschwall vieler Passagen, fragt man sich, warum bestimmte ganze Abschnitte sogar an die erste Stelle gesetzt wurden. Das Buch Mormon enthält viele Kapitel des Buches Jesaja aus dem Alten Testament. Sidney B. Sperry, ein BYU-Professor, gibt zu, dass „das Buch Mormon einundzwanzig komplette Kapitel aus Jesaja und Teile von weiteren zitiert“. " (Answers to Book of Mormon Questions, von Sidney B. Sperry, Bookcraft, 1967, S. 73) Sperry liefert folgende Querverweise zu Jesaja-Zitaten:

Das Buch Mormon zitiert aus folgenden Kapiteln des Jesaja: 2-14 (2. Nephi 12-24); 29 (2. Nephi 27); 48, 49 (1. Nephi 20, 21); 50, 51 (2. Nephi 7, ; 52 (3. Nephi 20); 53 (Mosiah 14); 54 (3. Nephi 22); 55 (2. Nephi 26:25) (Answers to Book of Mormon Questions, S.80)

Nephi schickt seiner Hinzufügung von Jesaja 2-14 folgenden Kommentar voraus:

„Und nun schreibe ich einige Worte Jesajas, damit ein jeder meines Volkes, der diese Worte sieht, sein Herz erheben und sich für alle Menschen freuen kann. Dies sind nun die Worte, und ihr könnt sie auf euch und auf alle Menschen anwenden.“ (2. Nephi 11:8)

Da die Nephiten angeblich das gesamte Buch Jesajas auf Platten von Jerusalem mitgebracht hatten, warum werden sie noch einmal abgeschrieben? Warum wäre es für sein Volk besser, diese Worte auf seinen Platten zu sehen als den eigentlichen Jesajah-Bericht zu lesen?

Auf eine weitere Seltsamkeit stoßen wir am Ende des Buches Mormon. Nach der Vernichtung aller Nephiten um ungefähr 400 n. Chr. schreibt Moroni, der letzte, der auf den Platten berichtet:

„Seht, ich, Moroni, beendige den Bericht meines Vaters Mormon. Ich habe nur wenige Dinge zu schreiben, die mir mein Vater geboten hat.

Und es begab sich, dass nach der großen, fürchterlichen Schlacht bei Cumorah die Nephiten, die ins südliche Land geflohen waren, von den Lamaniten gejagt wurden, bis alle vernichtet waren.

Meinen Vater haben sie auch erschlagen, und ich bleibe allein zurück, um die traurige Geschichte des Unterganges meines Volks zu schreiben…

Daher will ich schreiben und dann die Berichte in der Erde verbergen; und es hat nichts zu sagen, wohin ich gehe.

Seht, mein Vater hat diesen Bericht verfasst, und er hat geschrieben, welchen Zweck dieser hat. Ich würde auch darüber schreiben, wenn ich Platz auf diesen Platten hätte, aber daran fehlt es mir; und Erz habe ich nicht, denn ich bin allein. Mein Vater ist mit all meinen Verwandten in der Schlacht gefallen, ich habe keine Freunde und weiß nicht, wohin ich gehen soll; und ich weiß auch nicht, wie lange der Herr mich leben lassen wird.“ (Mormon 8:1-5)

Obwohl Moroni allein war und kein Erz hatte, fuhr er fort, auf die Platten zu gravieren, einen Text, der weitere dreißig Druckseiten einnimmt, worin er den Bericht über die Jarediten gibt, die zur Zeit des Turms zu Babel in die Neue Welt kamen, als Buch Ether bekannt. Moroni schrieb:

“Jetzt fahre ich, Moroni, fort, einen Bericht von jenen Einwohnern aus alter Zeit zu geben, die in diesem nördlichen Land vom Herrn vernichtet wurden.

Ich entnehme meinen Bericht den vierundzwanzig Platten, …und die das Buch Ether genannt werden [der Originalbericht der Jarediten].

Ich nehme an, unter den Juden werde der erste Teil jenes Berichts sein, der von der Erschaffung der Welt und auch von Adam handelt und dass es einen Bericht von jener Zeit bis zur Zeit des großen Turmes gibt und von allen Dingen, die sich bis zu jener Zeit unter den Menschenkindern zutrugen.

Deshalb schreibe ich nicht nieder, was sich von Adams Zeiten an bis zu jener Zeit ereignete; es steht aber auf den Platten; und wer sie findet, wird in der Lage sein, den vollständigen Bericht zu erlangen.

Ich gebe indessen nicht den vollen Bericht wieder, sondern nur einen Teil, nämlich von der Zeit des Turmes bis zur Zeit ihres Untergangs. (Ether 1:1-5)

Der seltsame Teil ist, dass die vierundzwanzig Platten angeblich Hunderte von Jahren der Geschichte abdecken sollten. Moronis Abkürzung von nur dem Teil des Turmes zu Babel bis zum Ende der Jarediten hier in Akerika beansprucht aber dreißig gedruckte Seiten im Buch Mormon. Wie verdichtet könnte ihre Schrift gewesen sein? Moronis Abkürzung müsste dann länger sein als das Original, das einen Bericht enthielt, der mit Adam beginnt.

Fügen Sie diesem Problem noch hinzu, dass Moroni nach dem Buch Ether ein weiteres ganzes Buch schrieb, während er allein war, von den Lamaniten gejagt und ohne Erz. Zu Beginn dieses nächsten Berichts, schreibt Moroni:

“Nachdem ich, Moroni, die Abkürzung des Berichts der Jarediten beendigt hatte, wollte ich nichts mehr schreiben; aber ich bin noch immer am Leben und lasse die Lamaniten nicht wissen, dass ich noch lebe, damit sie mich nicht erschlagen.

Denn seht, ihre Kriege untereinander sind außerordentlich heftig; und in ihrem Hass töten sie jeden Nephiten, der Christus nicht verleugnet.

Und ich, Moroni, will Christus nicht verleugnen; deshalb wandere ich zur Sicherheit meines Lebens wohin ich kann.

Darum schreibe ich noch einige weitere Dinge, obgleich ich es nicht vorhatte, denn ich hatte gedacht, ich würde nichts mehr schreiben; aber ich schreibe noch etwas, damit es vielleicht nach dem Willen des Herrn meinen Brüdern, den Lamaniten, in künftiger Zeit von Wert sein möge.“ (Moroni 1:1-4)

Darauf folgen Kapitel, die von Anweisungen für die Kirche über Ordination, das Abendmahl, die Taufe und Kirchendisziplin handeln. Dieses Ende ist solch ein Wechsel im Ton, das man sich fragt, ob Smith ans Ende seiner Geschichte gelangte und feststellte, dass er nicht genug Information für die Gründung einer Kirche eingefügt hatte.

Dann kopiert Moroni in den Bericht die Predigt seines Vaters über „Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe“ ein, gefolgt von zwei Briefen Mormons (alles zusammen scheinen Ermahnungen auf der Grundlage des Neuen Testaments in der King-James-Version zu sein). „Und ich versiegle diese Berichte, nachdem ich einige Worte der Ermahnung zu euch gesprochen habe.“ Danach folgen zwei Seiten geistiger Gedanken (die wiederum auf Phrasen von Paulus im Neuen Testament zu basieren scheinen).

Klingt all dies plausibel?


 

Fortsetzung

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