ABSCHNITTE DES BUCHES MORMON

ABSCHNITTE DES BUCHES MORMON, DIE WAHRSCHEINLICH NACH DEM VERLUST DER ERSTEN 116 SEITEN IM JUNI 1828 EINGEFÜGT WURDEN, BESCHREIBEN DIE GEISTIGE WIEDERGEBURT NACH DER TAUFE, WAS MIT RIGDONS GEÄNDERTEM GLAUBEN ÜBEREINSTIMMT, NACHDEM ER 1828 WALTER SCOTT BEGEGNET WAR.

 

Abbildung 3 veranschaulicht einen zeitlichen Ablauf der Ereignisse von 1827 bis 1831, die für die Übersetzung des Buches Mormon von Bedeutung waren. Im Juni 1828 vertraute Joseph Smith die ersten 116 Seiten seiner Übersetzung des Buches Mormon Martin Harris an. Harris zeigte diese Seiten seiner Frau Lucy. Lucy verlor oder vernichtete sie offensichtlich. Diese verlorenen Seiten enthielten das Buch Lehi und deckten Material ab, das dem Buch Mosiah im Buch Mormon, wie es später veröffentlicht wurde, vorausging. Anstatt sofort die verlorenen Seiten zu ersetzen, fuhr Smith damit fort, vom Buch Mosiah aufwärts zu übersetzen. Material, das nötig war, um die verloren Seiten zu ersetzen, wurde zuletzt „übersetzt“. Somit war die Erstellung des zu ersetzenden Materials für die verlorenen 116 Seiten eine Gelegenheit, für Rigdon attraktive Theologie und besonders Lehren hinzuzufügen, die 1828 beliebt wurden.

 

Vor 1828 glaubte Rigdon offensichtlich an den „armenischen“ Bekehrungsprozess. Dieser Prozess sah drei Schritte vor: (1) Glaube, (2) Buße und (3) geistige Wiedergeburt. Diese Abfolge erscheint in jenen Abschnitten des Buches Mormon, die wahrscheinlich vor 1828 geschrieben wurden (d. h. vor dem Ereignis der verlorenen Seiten). Siehe zum Beispiel Mos. 5:7, 27:24-27; Alma 5:12-13; 22:15-16 und Alma 36:16-24. In diesen Abschnitten war die Taufe das Zeichen, aus Gott geboren worden zu sein, keine Vorraussetzung für die geistige Wiedergeburt. Wie ich weiter im Begleitaufsatz erörtern werde, gibt es Gründe zu glauben, dass Solomon Spalding diese Bekehrungsreihenfolge ins Buch Mormon eingeführt haben könnte und dass Rigdon nur damit übereinstimmte.

 

1828 wurde eine andere Bekehrungsreihenfolge beliebt. Diese war auf das Predigen von Walter Scott zurückzuführen, einem Evangelisten, mit dem Rigdon zusammenarbeitete, und einer Person, die Berichten gemäß Rigdon nachahmte. Von Aug. 1827 bis 1828 machte Scott viele Bekehrte, die er folgende Reihenfolge lehrte: (1) Glaube, (2) Buße, (3) Taufe zur Vergebung der Sünden und (4) geistige Wiedergeburt. Bei dieser Reihenfolge kommt die geistige Wiedergeburt nach der Taufe und nicht vorher. Im März 1828 diskutierte Scott diese Reihenfolge mit Rigdon und überzeugte wirkungsvoll Rigdon, dass Taufe eine Voraussetzung für die geistige Wiedergeburt wäre. Dies war für Rigdon eine bedeutende Erkenntnis. A. S. Hayden gemäß:

 

Das fehlende Glied zwischen Christus und dem überführten Sünder schien nun glücklicher Weise gefunden... Rigdon war von der Entdeckung entzückt.

 

Wenige Monate später besuchte Rigdon Scott in Warren, Ohio. Nach dem Besuch war Rigdon Berichten gemäß „so beeindruckt von Scotts 'Entdeckung', dass er damit begann sie, sie weit und breit zu predigen“. Siehe:

http://sidneyrigdon.com/books/2001Read.htm#pg055b

http://www.lavazone2.com/dbroadhu/VA/harb1844.htm#010044

 

Wenn wir annehmen, dass die Spalding-Rigdon-Theorie richtig ist, dann verschaffte das Ereignis der verlorenen Seiten Rigdon die Gelegenheit das Buch Mormon auf den neuesten Stand zu bringen. Angesichts der fortlaufenden Debatte mit Campbell wäre er höchst motiviert gewesen, Ersatzmaterial zu erschaffen, das die Theologie enthielt, die für Campbells Jünger attraktiv war. Scotts Theologie von der geistigen Wiedergeburt nach der Taufe war besonders aufregend. Es ist logisch, dass hinzugefügtes Material am Beginn des Buches Mormon erscheinen würde, um die verlorenen Seiten zu ersetzen. Es ist ebenfalls logisch, dass hinzugefügtes Material am Ende des Buches Mormon erscheinen würde, um die Übereinstimmung zwischen dem Anfang und dem Ende zu gewährleisten und um einige abschließende Pinselstriche am Manuskript zu gestatten. An genau diesen beiden Stellen erscheint in der Tat Scotts Lehre – auf den „kleinen Platten“, die bereitet waren, um das Buch Lehi zu ersetzen (2. Nephi 31:11-14), und in der Nähe des Endes des Buches Mormon (3. Nephi 18:11, 27:19-20, 30:2; Mormon 7:8-10 und Moroni 8:11).

 

Walter Scott war nicht nur für diese bezeichnende Bekehrungsreihenfolge bekannt. Er war auch für den häufigen Gebrauch der Phrase „Jesus ist der Christus“ bekannt, die er in großen Buchstaben mit Kreide über die Tür seiner Akademie schreiben ließ.3 Siehe: http://sidneyrigdon.com/wht/1891WhtD.htm. Scotts Phrase erscheint an denselben Schriftstellen innerhalb des Buches Mormon wie die Änderung der Bekehrungsreihenfolge, die er vertrat, d. h. Moroni 5:14, Mormon 5:14 und zweimal in 2. Nephi 26:12. Man findet sie auch auf der Titelseite des Buches, wo Smith sagte:

 

Ich möchte hier erwähnen, dass die Titelseite des Buches Mormon eine buchstäbliche Übersetzung ist, die dem allerletzten Blatt auf der linken Seite der Sammlung oder des Buches aus Platten entnommen ist, die den Bericht enthielten, der übersetzt worden ist, wobei die Sprache des Ganzen auf dieselbe Weise verläuft wie jedes Hebräisch im Allgemeinen, und dass besagte Titelseite auf keinen Fall eine moderne Komposition ist, weder von mir noch von irgendeinem Menschen, der in dieser Generation lebt oder gelebt hat. Deshalb, um einen Irrtum zu korrigieren, der im Allgemeinen darüber besteht, gebe ich unten den Teil der Titelseite der englischen Version des Buches Mormon wieder, der eine echte und buchstäbliche Übersetzung der Titelseite des originalen Buches Mormon ist, wie es auf den Platten aufgezeichnet ist. (DHC 1:71, 1830)

 

Die Smith-als-alleiniger-Autor-Theorie erklärt nicht das Vorhandensein der beiden Bekehrungsreihenfolgen im Buch Mormon. Es ist nicht bekannt, dass Smith zu den Lehren Walter Scotts einen Bezug gehabt hätte. Nach dem Verlust der Seiten im Juni 1828 versuchte Smith sogar drei Tage lang, sich Emmas Methodistengemeinde anzuschließen. Ihm wurde der Eintritt gewährt bis er ausgestoßen wurde. Im Methodismus ist die Bekehrungsreihenfolge: Glaube, Buße, Geborenwerden aus Gott (d. h. die Armenische Abfolge). Die Taufe kommt nach dem Geborenwerden aus Gott und wird als Zeichen dafür angesehen, dass die geistige Neugeburt eingetreten ist. Ferner verlangen Methodisten nicht die Taufe durch Untertauchen. Die Taufe kann durch Besprenkelung, Begießen oder Untertauchen geschehen. Taufe durch Untertauchen ist das, was Scott 1828 lehrte, und dieses Taufritual wird im Buch Mormon vertreten (3. Ne. 11:26). Siehe: http://www.utlm.org/onlineresources/josephsmithmethodist.htm http://sidneyrigdon.com/wht/WhitIdx0.htm

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