Ein echtes Dilemma

Ein echtes Dilemma

 

Gemäß dem Buch Mormon erschien Christus den Nephiten nach seiner Kreuzigung und sagte ihnen, dass er ihnen die Worte Moses zitieren würde. Die Worte, die er zitiert haben sollte, findet man in Deuteronomium 18:15, 18 und 19:

 

„Der Herr, euer Gott, wird euch einen Propheten aus eurer Mitte erheben, aus euren Brüdern, einen wie ich; auf ihn sollt ihr hören;…

Ich werde für sie einen Propheten unter ihren Brüdern erheben, einen wie ihr, und ich werde ihm meine Worte in seinen Mund legen; und er wird alles zu ihnen sprechen, was ich ihm gebieten werde.

Und es soll geschehen, wer auch immer nicht auf meine Worte hören wird, die er in meinem Namen sprechen wird, dass ich es von ihm fordern werde.“

 

Anstatt diese Worte aus Deuteronomium zu zitieren, zitierte Jesus aber aus Petrus’ Umschreibung von Moses Worten, die man in der Apostelgeschichte 3:22-26 findet. Dies ist sehr offensichtlich, wenn wir Petrus’ Umschreibung von Moses Worten und die Worte vergleichen, die Christus angeblich den Nephiten zitiert haben soll. Unten befindet sich Petrus’ Umschreibung, wie man sie in der Apostelgeschichte findet:

„22. Denn Moses sagte wahrhaftig zu seinen Vätern: Der Herr, euer Gott, wird einen Propheten unter euren Brüdern erwecken, einen wie ich; ihn sollt ihr hören in allen Dingen, was immer er euch sagen wird.

23. Und es soll geschehen, dass jede Seele, die nicht auf jenen Propheten hört, unter dem Volk vernichtet werden wird.

24. Ja, und all die Propheten von Samuel an und denen, die danach folgten, so viele wie gesprochen haben, haben ebenso diese Tage vorausgesagt.

25. Ihr seid die Kinder des Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern schloss, indem er Abraham sagte: Und in deinem Samen sollen alle Kinder der Erde gesegnet werden.

26. Zuerst hat Gott euch seinen Sohn Jesus erweckt und ihn gesandt, euch zu segnen, indem er jedem von euch die Sünden wegnahm.“ (Apostelgeschichte 3:22-26)

 

Im Buch Mormon lesen wir:

„Seht, ich bin es, von dem Mose redete, als er sprach: Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, wie mich aus euren Brüdern erwecken; den sollt ihr in allen Dingen hören, die er zu euch sagen wird. Und jede Seele, die jenen Propheten nicht hören will, soll aus dem Volk vertilgt werden.

Wahrlich, ich sage euch: Ja alle Propheten seit Samuel und die nach ihm erschienen, alle diejenigen, die geredet haben, zeugten von mir.

Und seht, ihr seid die Kinder der Propheten; ihr seid vom Hause Israel und von dem Bund, den der Vater mit euern Vätern machte, als er zu Abraham sagte: Und in deiner Nachkommenschaft sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.

Der Vater hat mich zuerst für euch erweckt und mich geschickt, um euch zu segnen und einen jeden von euch von seinen Sünden abzubringen… (3. Nephi 20:23-26)

 

Es ist also offensichtlich, dass das Buch Mormon lieber Petrus’ Umschreibung folgt als den eigentlichen Worten des Moses, wie im Deuteronomium berichtet. Beachten Sie, dass die Verse 24 bis 26 des dritten Kapitels der Apostelgeschichte, obwohl schwach geschrieben, im Buch Mormon zitiert werden. Diese Worte haben nichts mit Moses zu tun, aber sie sind in Wahrheit die Worte Petri. Petrus sprach diese Worte am Tempel zu Jerusalem einige Zeit nach dem Pfingsttag. Während es möglich ist, dass diese Worte zu jener Zeit berichtet worden sein könnten, war das Buch der Apostelgeschichte wahrscheinlich frühestens zwanzig oder dreißig Jahre später geschrieben worden. George B. Arbaugh machte folgende Aussage in Bezug auf diese Angelegenheit:

„’Christus’ im Buch Mormon zitiert Material, das noch nicht geschrieben war…

Christus zitiert den Indianern folgende Aussage, die angeblich von Moses gemacht wurde. Tatsächlich sind dies nicht Moses’ Worte, sondern eine Umschreibung von ihnen durch Petrus…

Simon Petrus umschreibt und verkürzt hier Moses’ sehr lange Aussage in Deuteronomium 18:15-19.  Der Wortlaut ist ziemlich verschieden von dem in Deuteronomium, aber die Schreiber des Buches Mormon hatten es versäumt, in der Originalaussage nachzuschauen und nahmen an, dass Petrus’ Bericht darüber ein wörtliches Zitat war. Deshalb zitiert das Buch Mormon die Apostelgeschichte“ (Gods, Sex, and Saints, S. 36)

 

Es ist interessant, dass Nephi – der angeblich zwischen 600 und 545 v. Chr. geschrieben hat – ebenfalls diesen Teil des Buches der Apostelgeschichte zitierte. (Siehe 1. Nephi 22:20)

 

Das Buch Moroni im Buch Mormon ist mit Zitaten aus den Paulusbriefen an die Korinther angefüllt. Wesley M. Jones erklärt:

 

„Joseph übersah in all seiner List etwas höchst Beschädigendes. Hier schreibt Joseph eine Predigt des Paulus ab. Seine Marionette, Moroni, lebt auf einem entfernten Kontinent, 4000 Meilen von Paulus ohne eine Verbindung, dennoch gebrauchen sie DIESELBEN WORTE!“ (Joseph Smith: Scripture-Maker, von Wesley M. Jones, Oakland, Oakland, California, 1966, S. 4)

 

Mormonenschreiber finden es schwierig, dieses Problem zu beantworten. Sidney B. Sperry von der Brigham-Young-Universität macht folgende Aussage:

 

Kritiker werden sagen, dass Mormons Worte einfach von Joseph Smith aus den Worten des Paulus im Neuen Testament geraubt wurden. Es ist wahr, dass der Text in Vers 45 fast Wort für Wort derselbe ist wie seine Parallele im 1. Korinther. Nun werde ich als ein höherer Kritiker sprechen. Ich GLAUBE NICHT, DASS PAULUS DER USRSPRÜNGLICHE AUTOR DER IN FRAGE STEHENDEN WORTE WAR. Ich denke, dass der ursprüngliche Autor der Erretter war. Paulus hatte Zugriff auf sie und benutzte die Worte unseres Herrn, wie es ihm passend erschien, als er den Korinthern schrieb. In seiner Zeit wäre er des Kopieren nicht angeklagt worden. Als unser Herr als auferstandene, verherrlichte Person auf diesen Kontinent kam, gab er dieselbe Predigt über Glaube, Hoffnung und Liebe. Mormon hatte Zugriff zu dieser Predigt, so wie Paulus, und benutzte sie, wie es ihm gefiel. Er wusste nichts davon, dass Paulus die Predigt auf dem anderen Kontinent zu einer früheren Zeit benutzt hatte. Wir können den Propheten Joseph Smith wegen allem anderen anklagen, aber nicht wegen der Dummheit. Er sagte die Wahrheit und lieferte einen interessanten Beitrag zu ihrem Wissen über Paulus und seine berühmte Predigt.“ (Book of Mormon Institute, 5. Dezember 1959, Extension Publications, B. Y. U., 1964er-Ausgabe, Seite

 

Dr. Sperry erklärte auch:

 

„Die Kapitel sieben und zehn des Buches Moroni enthalten Lehren, die Passagen in 1. Korinther 12, 13, so sehr gleichen, dass sie ein literarisches Problem darstellen…

Dass es mehr als eine zufällige Verbindung zwischen diesen beiden Schriftstellen gibt, ist für jeden offensichtlich…

Dass es ein Problem gibt, gestehen wir bereitwillig zu, und wir werden eine vernünftige Erklärung dafür versuchen… Wir können natürlich Menschen nicht zwingen, irgendetwas zu glauben, ob Tatsache oder Phantasie. Aber wir können auf die starke Wahrscheinlichkeit hinweisen, dass Paulus NICHT der ausschließliche Autor der Ideen in Bezug auf die geistigen Gaben war, die im 1. Korinther 12:4-11 enthalten sind. Ist es nicht vernünftig zu glauben, dass der große Apostel einen wichtigen Hauptteil der Lehren, der für die frühe christliche Kirche üblich war, seinen Bedürfnissen im Umgang mit den Korinthern passend machte? Für den Schreiber scheint es viel wahrscheinlicher, dass eher Jesus der ursprüngliche Autor der Lehren in Bezug auf die geistigen Gaben gewesen ist als Paulus… Es sollte betont werden, dass wir hier versuchen, nur eine vernünftige Antwort zu dem aufgekommenen Problem zu geben; AN EINEM ABSOLUTEN BEWEIS MANGELT ES. Wir können nicht jenseits allen Zweifels beweisen, dass Jesus eine Predigt über geistige Gaben sowohl den Nephiten als auch seinen palästinischen Jüngern gab, über die Berichte von Moroni und Paulus hätten aufgezeichnet werden können. Es ist aber eine sehr attraktive und vernünftige Mutmaßung, dass er es tat…

Nun lassen Sie uns zu dem literarischen Problem zurückkehren, das sich aus dem Vorhandensein von 1. Korinther 13 in Moroni 7:45-47 ergibt. Fast das ganze Kapitel 7 im Buch Moroni wird als eine Predigt von Moronis Vater Mormon dargestellt, während er in einer Synagoge lehrte. Die Predigt handelt von Glaube, Hoffnung und Liebe. Die meisten, dessen sind wir sicher, wären bereit zuzugeben, dass die Masse davon ebenso original ist, wie man es vernünftigerweise von einem Prediger erwarten würde, der ein vertrautes Thema behandelt. Die Verse 45 und 46 entsprechen 1. Korinther 13:4-8 in mancher Hinsicht so sehr, dass sie erklärt werden müssen… viele Phrasen sind Wort für Wort dieselben wie in der King-James-Version. Hier gibt der Autor offen die Möglichkeit zu, dass Joseph Smith die vertraute Version BENUTZTE, als er Mormons Worte übersetzte;… Wenn wir das Buch Mormon betrachten, müssen den Übersetzer in die Rechnung mit einbeziehen. Als der Prophet Joseph Smith an eine Passage kam, die Aussagen enthielt, die ihn an ähnliche im Neuen Testament erinnerten, wurde er zweifellos durch ihren Wortlaut beeinflusst und er benutzte ihn, wann immer es möglich war.“ (The Problems of the Book of Mormon, Salt Lake City, 1964, S. 113-118, 120-121)

 

Auf Seite 206-207 desselben Buchs erklärt Dr. Sperry: „Es ist wahr, dass das Buch Mormon viele Verse Heiliger Schrift enthält, außer denen von Jesaja, die WORTWÖRTLICH mit den Parallelen in der King-James-Version übereinstimmen…

Budvarson behauptet, dass ‚mindestens 27.000 Wörter aus der King-James-Übersetzung der Bibel im Buch Mormon enthalten sind’. Unsere eigene Schätzung ist ungefähr SIEBZEHNTAUSEND WÖRTER, eine Einschätzung, die nach unserer Meinung akkurater ist.“

 

Der Mormonenschreiber J. N. Washburn machte folgende Aussage in Bezug auf dieses Problem:

 

„Eine Sache scheint jenseits allen Zweifels zu sein: Joseph kannte seine Bibel. Überall im Buch Mormon (wahrhaftig scheinbar weniger in Ether als anderswo) befinden sich Worte und Ausdrücke, die kaum aus einer anderen Quelle gekommen sein konnten. (Dies bezieht sich überhaupt nicht auf Hunderte von Zitaten von Jesaja, Maleachi, Matthäus und anderen Schreibern der Heiligen Schrift. Es bedeutet eher, dass die Sprache der Buches Mormon ständig BIBELSPRACHE ist, manchmal fast WORT FÜR WORT UND OFT GENAU GLEICH. Eine Erklärung dafür ist, dass während des Übersetzungsprozesses Joseph solche Begriffe benutzte, die er für das, was er sagen wollte, abrufen konnte, und die Bibelsprache schien bereitwillig zu ihm zu kommen.

Es scheint für dieses Phänomen nur eine andere Erklärung zu geben, nämlich dass die nephitischen Propheten in ihren eigenen Lehren und Predigten GENAU DIESELBEN BEGRIFFE verwendeten, die von den biblischen Führern benutzt wurden, aus welchem Grund auch immer und ziemlich unabhängig von ihnen. Die Ähnlichkeit dieser beiden Texte ist an vielen Stellen ZU AUFFALLEND, so scheint es mir, UM ZUFALL ZU SEIN, welchen Grund es dafür auch geben mag.“ (The Contents, Structure and Authorship of the Book of Mormon, Salt Lake City, 1954, S. 4-5)

 

Wir haben das Gefühl, das weder Dr. Sperry noch Mr. Washburn eine befriedigende Erklärung darüber gegeben haben, warum so viel vom Neuen Testament im Buch Mormon erscheint. Dr. Sperrys Erklärung scheint Wunschdenken zu sein; denn er gibt zu, „dass es an einem absoluten Beweis mangelt“. Die einzige vernünftige Erklärung, so meinen wir, ist, dass der Autor des Buches Mormon die King-James-Version der Bibel hatte. Und da diese Version nicht vor 1611 n. Chr. erschien, konnte das Buch Mormon NICHT vor dieser Zeit geschrieben worden sein. Das Buch Mormon ist deshalb eine moderne Komposition und kein „Bericht einer antiken religiösen Historie“.

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